Maurizio Vogrig

Das Seth-Material - Die neue Übersetzung

Maurizio Vogrig
Das Seth-Material - Die neue Übersetzung
seth-verlag-buecher-das-seth-material.jpg

Gedruckt und als E-Book online exklusiv erhältlich bei Amazon

„Ich bin heute Abend aus einem einzigen Grund gekommen: Ihr sollt meine Vitalität spüren können, und indem ihr sie spürt, sollt ihr wissen, dass ich zu euch aus Dimensionen spreche, die jenseits der euch bekannten liegen . . . Das Grab ist nicht das Ende, denn wer so laut ist wie ich, spricht wohl kaum mit der Stimme des Todes!“   Seth      

1970 erschien in den USA Jane Roberts’ fantastisches Buch THE SETH MATERIAL. 1986 wurde eine erste deutsche Übersetzung veröffentlicht, die allerdings teilweise recht stark vom Original abweicht. Zudem fehlt in ihr der aus 16 Seiten und über 30 Abbildungen bestehende Bildteil, auf den im ganzen Buch immer wieder verwiesen wird. Diese deutsche Übersetzung ist seit langer Zeit vergriffen. Jetzt erscheint daher im Seth-Verlag eine komplett neue Übersetzung von THE SETH MATERIAL – DAS SETH-MATERIAL.

1970 war für Jane Roberts und Robert Butts ein wichtiges Jahr: THE SETH MATERIAL wurde von Prentice-Hall veröffentlicht. Es war das erste Buch von Jane, in dessen Zentrum Seth und das Seth-Material standen. Für Prentice-Hall - ein Verlag, der bis heute vor allem auf die Herausgabe von akademischer Literatur spezialisiert ist - war die Veröffentlichung eines Buches, das sich so gar nicht an das wissenschaftliche Weltbild anlehnte, geradezu ein Wagnis. Aber dort arbeitete Tam Mossman als Redakteur. Er war dafür verantwortlich, dass neben THE SETH-MATERIAL auch alle anderen Bücher von Jane Roberts, Robert Butts und Seth bei Prentice-Hall veröffentlicht wurden. Er sorgte auch dafür, dass Prof. Raymond Van Over die Einleitung zu THE SETH MATERIAL schrieb. In einem Brief an Tam vom März 1970 schreibt Jane:

Rob und ich sind über Raymonds Einleitung hocherfreut. Du hattest recht, als ich mir unsicher war, ob es überhaupt eine Einleitung braucht oder nicht. Ray verfügt über ein ausgezeichnetes Wissen über den klassischen Hintergrund des Mediumismus usw. Vor ein paar Tagen besuchte er uns in Elmira mit seiner Frau. Es war sehr interessant. Sie las mir aus der Hand, machte es dabei aber lange nicht so gut wie Du. Danach hatten wir eine gute Seth-Sitzung, und wir mögen Ray sehr.

Vor der Veröffentlichung von THE SETH MATERIAL schrieb Jane:

Mein Buch unterscheidet sich von anderen im parapsychologische Gebiet, indem es von einer außergewöhnlichen und einzigartigen persönlichen Sache handelt und daher nicht einfach eine Nacherzählung von Geschichten parapsychologischer Erfahrungen anderer Menschen ist. Die Natur von Persönlichkeiten wie Seth fasziniert die Menschheit schon seit Jahrhunderten, und ich habe das große Glück, für eine solche Persönlichkeit sprechen und dieses Phänomen aus erster Hand studieren zu können. Ich hoffe, durch eine Reihe von Büchern, die sich mit Seth befassen, einen wertvollen Beitrag an unser Wissen über die menschliche Persönlichkeit und die Möglichkeiten unseres Bewusstseins leisten zu können.

Seth unterscheidet sich völlig von den üblichen „Geistführern“ spiritistischer Kreise: Er ist viel sprachgewandter und intelligenter, und seine intellektuellen und psychologischen Fähigkeiten sind mit Sicherheit größer als meine eigenen. Ich finde, das Buch sollte einer größeren Öffentlichkeit und nicht nur auf dem „okkulten“ Markt bekannt gemacht werden, da es einen breiten Ansatz hat und für viele Menschen interessant sein könnte. Außerdem sind heute viel mehr Leute für das Thema der paranormalen Phänomene offen als früher. Das Seth-Material bietet jedem Menschen die Möglichkeit, seine eigene Individualität neu zu definieren – und Seth zeigt durch seine Aussagen und Handlungen, dass Persönlichkeit nicht von physischer Materie abhängig ist. Das kommt im Buch ja auch deutlich zum Ausdruck.

Bis das Buch aber 1970 veröffentlich wurde, ging das Manuskript viele Male zwischen Jane und Tam hin und her – natürlich alles mit der Schneckenpost. Verzögerungen gab es auch immer wieder, weil Jane und Rob sich eine einzige Schreibmaschine teilen mussten. Wenn Rob neue Seth-Sitzungen abtippte, war Jane daher blockiert und konnte nicht am Manuskript für DAS SETH-MATERIAL arbeiten. Schließlich waren Jane und Tam beide glücklich mit dem Buch, so dass es endlich veröffentlicht werden konnte. Jane und Rob, der natürlich maßgeblich an der Entstehung des Werks beteiligt war, waren sehr stolz auf das Buch, an dem viele Hoffnungen hingen.
 

EINFÜHRUNG VON JANE ROBERTS

Es war der 29. Februar 1968. Ich führte gerade einen meiner beiden wöchentlichen ASW-Kurse durch. Das große Erkerfenster stand offen und ließ die ungewöhnlich warme Nachtluft herein. Das Licht im Wohnzimmer, in dem ich die Kurse durchführe, brannte wie gewöhnlich. Plötzlich fühlte ich, dass wir einen Besucher hatten. Wie immer ging ich ganz leicht und ohne Übergang in Trance. 

An diesem Kurs nahmen nur Collegestudentinnen teil. Sie hatten mein erstes Buch gelesen, wussten über Seth Bescheid und hatten bereits an ein paar Kurs­abenden teilgenommen, hatten aber noch nie einer Seth-Sitzung beigewohnt. Meine Augen schlossen sich. Als sie sich ein paar Augenblicke später wieder öffneten, waren sie viel dunkler. Ich begann, für Seth zu sprechen. Er hatte meine Brille mit einer raschen, für ihn typischen Geste auf den Boden geworfen, doch jetzt musterte ich jede einzelne Teilnehmerin mit scharfem und klarem Blick. Die Stimme, die sprach, war tief, ziemlich laut, eher männlich als weiblich.

Wir hatten eine spontane Seth-Sitzung. Sie diente dazu, die Studenten mit Seth bekannt zu machen, und ich werde jetzt ein paar Auszüge aus dieser Sitzung den gleichen Zweck erfüllen lassen, um Seth jenen Lesern und Leserinnen näher zu bringen, die ihm noch nicht begegnet sind:

„Euch wurde beigebracht, dass ihr aus physischer Materie besteht, der ihr nicht entfliehen könnt, und das stimmt nicht. Die physische Materie wird sich auflösen, ihr aber nicht. Seid gewiss, dass ich hier bin, auch wenn ihr mich nicht sehen könnt. Eure eigenen Eltern scheinen vor euren Augen zu verschwinden und sich für immer in nichts aufzulösen. Ich kann euch versichern, dass sie weiterleben werden. Ich kann euch versichern, dass der Tod ein Neubeginn ist und dass ihr nicht zum Schweigen verurteilt seid, wenn ihr tot seid. Denn ist diese Stimme, die ihr hört, Schweigen? Ist diese Präsenz, die ihr in diesem Zimmer fühlt, tot?

Ich bin hier, um euch zu sagen, dass eure Freude nicht von eurer Jugend abhängt, denn ich bin kaum jung. Ich bin hier, um euch zu sagen, dass eure Freude nicht von eurem physischen Körper abhängt, denn in eurem Sinne habe ich keinen. Ich habe, was ich immer hatte, nämlich meine Identität. Sie ist niemals weniger geworden. Sie wächst und entwickelt sich.

Ihr seid, was ihr seid, und ihr werdet mehr sein. Habt keine Angst vor Veränderung, denn ihr seid Veränderung, und ihr verändert euch, während ihr vor mir sitzt. Jede Aktion bedeutet Veränderung, denn sonst wäre das Universum statisch, und dann wäre der Tod tatsächlich das Ende. Was ich bin, seid auch ihr: individualisiertes Bewusstsein.

Verändert euch mit den Jahreszeiten, denn ihr seid mehr als die Jahreszeiten. Ihr erschafft die Jahreszeiten. Sie sind das Spiegelbild eures inneren psychischen Klimas. Ich bin heute Abend aus einem einzigen Grund gekommen: Ihr sollt meine Vitalität spüren können, und indem ihr sie spürt, sollt ihr wissen, dass ich zu euch aus Dimensionen spreche, die jenseits der euch bekannten liegen. Das Grab ist nicht das Ende, denn wer so laut ist wie ich, spricht wohl kaum mit der Stimme des Todes.

Ich bin in diesem Zimmer, obwohl es kein Objekt gibt, in dem ihr mich erkennen könnt. Ihr seid genauso körperlos wie ich. Ihr verfügt über ein Vehikel, das ihr benutzt, einen Körper, den ihr als euren eigenen bezeichnet, und das ist alles. Ich leihe mir mit Ruburts [Seths Name für mich; außerdem spricht Seth immer in männlicher Form über mich] Zustimmung seinen Körper, doch was ich bin, hängt nicht von Atomen und Molekülen ab, und was ihr seid, hängt nicht von physischer Materie ab. Ihr habt zuvor schon gelebt, und ihr werdet wieder leben, und wenn ihr die physische Existenz beendet habt, werdet ihr noch immer leben.

Ich komme hierher, als ob ich durch ein Loch in Raum und Zeit erschienen wäre. Es gibt in Raum und Zeit Kanäle, durch die ihr reisen könnt, und in Träumen wart ihr schon, wo ich bin. Ich möchte, dass ihr eure eigene Vitalität fühlt. Fühlt, wie sie durch das Universum reist, und wisst, dass sie nicht von eurem physischen Abbild abhängig ist. In Wirklichkeit projiziert ihr eure eigene Energie, um die physische Welt zu erschaffen. Wenn ihr daher die Welt verändern wollt, müsst ihr euch selbst verändern. Ihr müsst verändern, was ihr projiziert.

Ihr wart immer, und ihr werdet immer sein. Das ist die Bedeutung eurer Existenz und der Freude. Der Gott, der da ist, ist in euch, denn ihr seid ein Teil von Allem-Was-Ist.“

Seth sprach während zwei Stunden durch mich, und dies so schnell, dass die Studentinnen Mühe hatten, Notizen zu machen. Seine Freude und Vitalität waren deutlich. Es handelte sich nicht um meine eigene Persönlichkeit. Seths trockener sardonischer Humor leuchtete aus meinen Augen. Meine Gesichtsmuskeln nahmen neue Züge an. Meine normalerweise weiblichen Gesten wurden durch seine ersetzt. Seth erfreute sich daran, sich als alter Mann zu geben, der schlau, lebhaft und sehr menschlich war. Als er über die Freude der Existenz sprach, die sogar durch eine Stimme wie die seine spürbar sei, dröhnte diese tiefe Stimme. Später sagte mir eine meiner Studentinnen, Carol, sie habe gefühlt, dass die Stimme von überallher gekommen war, sogar von den Wänden, obwohl sie wusste, dass die Worte aus meinem Mund kamen.

Während einer Pause las Carol die Notizen vor, die sie gemacht hatte. Ganz plötzlich und ohne Übergang war ich wieder Seth, lehnte mich nach vorne und spaßte:

„Wenn du meine Stenografin sein möchtest, musst du es besser machen. Du bist eine verrückte Kritzlerin!“

Dann folgte ein Hin und Her, wobei Seth Carols Notizen korrigierte, während sie sie vorlas, einige Bemerkungen anfügte, um gewisse Sätze klarer zu machen, und er sie neckte. Die Studentinnen stellten Fragen, und Seth beantwortete sie.

Das war eine sehr einfache Sitzung. Seth wandte sich zum ersten Mal an die Studentinnen, aber er sprach einige Themen an, die oft im Seth-Material auftauchen: Die Persönlichkeit ist multidimensional. Das Individuum ist grundsätzlich frei von Raum und Zeit. Das Schicksal jedes einzelnen von uns liegt in unseren eigenen Händen. Probleme, die in diesem Leben nicht behandelt werden, werden in einem anderen behandelt. Wir können weder Gott noch die Gesellschaft oder unsere Eltern für unser Unglück verantwortlich machen, denn vor diesem physischen Leben wählten wir die Umstände aus, in die wir hineingeboren würden, und auch die Herausforderungen, die für unsere Entwicklung am förderlichsten sein würden. Wir erschaffen physische Materie so mühelos und unbefangen, wie wir atmen. Auf telepathische Weise sind wir uns alle der Massengedanken bewusst, aufgrund derer wir unser übergeordnetes Konzept der physischen Realität erschaffen.

Bis zum Dezember 1969 hatten mein Mann Rob und ich während einer Zeit von fünf Jahren über 500 Seth-Sitzungen durchgeführt. In meinem ersten Buch in diesem Gebiet, Der Weg zu Seth [Englisch: How to Develop Your ESP Power, genauere Übersetzung: Die Entwicklung der eigenen ASW-Kräfte] erklärte ich kurz die Umstände, die zu meinem Interesse an ASW führten, und die Experimente, die mich mit Seth bekannt machten. Seitdem hat Seth zu so vielen Gelegenheiten telepathische und hellsichtige Fähigkeiten  gezeigt, dass es zu viele sind, als dass ich sie hier alle erwähnen könnte. Durch Sitzungen hat er Freunden, Fremden und Kursteilnehmern geholfen, und indem wir seinen Anleitungen Folge leisten, lernen mein Mann und ich unsere eigenen sensitiven Fähigkeiten zu entwickeln.

Aber ich war kein „geborenes Medium“, mit einem Hintergrund paranormaler Erfahrungen. Weder Rob noch ich hatten von solchen Dingen eine Ahnung. Auch nach meiner ersten Begeisterung akzeptierte ich diese Entwicklungen nicht ohne ernsthafte Selbstprüfung und intellektuelle Analyse. Ich wollte meine Erfahrungen soweit wie möglich auf wissenschaftlicher Grundlage sehen.

„Ja“, sagte ich nachdrücklich. „Ich spreche in Trance für eine Persönlichkeit, die behauptet, den Tod überlebt zu haben. Ja, man kann die eigenen außersinnlichen Fähigkeiten entwickeln. Ja, Seth besteht darauf, dass Reinkarnation eine Tatsache ist. Aber … aber … aber.“ Ich fand die Ideen, die im Seth-Material präsentiert wurden, faszinierend, aber ich hatte nicht vor, sie einfach als gesicherte Tatsachen zu akzeptieren, wie ich, sagen wir, den Speck akzeptiere, den ich zum Frühstück esse. Heute weiß ich, dass sie viel wichtiger sind.

Für mich bedeutete es so viel wie intellektueller Selbstmord, auch nur die Möglichkeit einzuräumen, dass Seth tatsächlich eine Persönlichkeit war, die den Tod überlebt hatte. An keiner Stelle in meinem ersten Buch behauptete ich zu glauben, Seth sei genau das, was er über sich selbst sagte: „Eine Energiepersönlichkeitsessenz, die nicht mehr in der physischen Realität zentriert ist.“ Stattdessen studierte ich die verschiedenen Erklärungen für solche Persönlichkeiten, die einerseits von Psychologen und Parapsychologen und andererseits von Spiritisten geboten wurden. Aber nirgends fand ich eine Erklärung, die so logisch und stimmig wie jene im Seth-Material selbst war.

Ich war so daran gewöhnt, von mir selbst als ein an Raum und Zeit gebundenes physisches Wesen zu denken, dass ich mich beinahe weigerte, den Beweis meiner eigenen Erfahrung zu akzeptieren. Während ich mit der intuitivsten Arbeit der Welt befasst war, versuchte ich gleichzeitig, immer objektiver zu werden. Ich versuchte, wieder in eine Welt einzutreten, die ich in Wirklichkeit für immer verlassen hatte – ein Universum, in dem alles ausschließlich auf physische Weise existierte, eine Welt, in der Mitteilungen von irgendwelchen anderen Realitäten oder Dimensionen unmöglich waren. Und doch führten wir weiterhin zweimal pro Woche Seth-Sitzungen durch.

Ich begann, außerkörperliche Erfahrungen (Astralprojektionen) zu haben, während ich im Wohnzimmer saß und für Seth sprach. Seth beschrieb, was ich sah, während mein eigenes Bewusstsein kilometerweit entfernt war und Örtlichkeiten und Ereignisse in anderen Städten oder Bundesstaaten wahrnahm. Unsere Unterlagen enthalten zum Beispiel Bezeugungen zweier Brüder in Kalifornien, die bestätigen, dass Seth auf korrekte Weise ihr Zuhause und ihre Nachbarschaft beschrieb, während ich für ihn in Elmira, New York, sprach, fast 5000 Kilometer entfernt. Diese Fakten konnte ich kaum leugnen.

Nach der Veröffentlichung meines früheren Buches kamen Briefe von fremden Menschen, die um Hilfe oder Rat baten. Schließlich stimmte ich zu, für diejenigen, die es am nötigsten hatten, ein paar Sitzungen durchzuführen, obwohl mir die Verantwortung Angst machte. Die betreffenden Leute nahmen selbst nicht an den Sitzungen teil, da sie in anderen Landesteilen lebten, doch sie sagten, die Ratschläge hätten ihnen geholfen; die Informationen, die über die persönlichen Hintergründe durchgegeben worden waren, stimmten. Seth erklärte Probleme oft als Ergebnis ungelöster Konflikte vergangener Reinkarnationen und gab konkrete Ratschläge, wie die betroffenen Menschen im aktuellen Leben ihre Fähigkeiten nutzen können, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Davor war ich davon ausgegangen, dass die Reinkarnationsinformationen ein reizendes fantasievolles Gericht seien, das ich in meinem eigenen Unterbewusstsein zusammengekocht hatte. Tatsächlich war ich, als all dieses begann, überhaupt nicht sicher, dass wir den Tod auch nur einmal, geschweige denn immer und immer wieder überlebten.

Rob und ich waren im herkömmlichen Sinne kaum religiös. Wir hatten seit Jahren keine Kirche mehr betreten, und wenn, dann nur für Hochzeiten und Beerdigungen. Ich war katholisch erzogen worden, aber als ich älter wurde, hatte ich immer mehr Mühe, den Gott meiner Vorfahren zu akzeptieren. Die Ironie flüsterte mir zu, dass Er geradeso wie sie auch tot war. Der Himmel, der mir als Kind Halt gegeben hatte, schien mir in meinen Jugendjahren die geistlose Farce einer bedeutsamen Existenz zu sein. Wer wollte denn schon herumsitzen und einem Gottvater Hymnen vorsingen, auch wenn es ihn tatsächlich gäbe, und was für eine Art intelligenter Gott würde eine solch stetige Bewunderung verlangen? Wohl nur ein sehr unsicherer und erschreckend menschlicher Gott.

Die Alternative, jene des Höllenfeuers, war gleichermaßen unglaubwürdig. Doch der althergebrachte Gott unserer Väter saß offenbar ohne Skrupel mit den Seligen im Himmel, während der Teufel den Rest der unglücklichen Toten peinigte. Dieser Gott, so beschloss ich, war überholt. Ich würde ihn nicht als Freund haben wollen. Und was das betraf, so war er mit seinem Sohn auch nicht gerade gut umgegangen, wie erzählt wird. Aber Christus konnte man wenigstens respektieren, dachte ich. Er war hier gewesen; er wusste, wie es ist.

Noch bevor ich zwanzig war, hatte ich diesem archaischen Gott, der Jungfrau und der Gemeinschaft der Heiligen den Rücken zugedreht. Himmel und Hölle, Engeln und Teufeln hatte ich gekündigt. Diese einzigartige Ansammlung von Chemikalien und Atomen, die ich als mein „Ich“ bezeichnete, würde in keine derartigen Fallen treten – wenigstens in keine, die ich als solche erkennen konnte.

Robs Hintergrund war anders. Die Religion seiner Eltern war eine Art geselliger Protestantismus und erfrischend unschuldig in Bezug auf Dogmen. Im Allgemeinen liebte Gott kleine Jungen und Mädchen mit gestärkten Hemden und anständigen Kleidchen, polierte Schuhe und Väter, die gut verdienten – und es half auch, wenn ihre Mütter für die Gemeindekirche Plätzchen backten.

Uns beide belasteten die offensichtlichen Ungerechtigkeiten eines solchen Gottes nicht – so viel Aufmerksamkeit zollten wir ihm überhaupt nicht. Ich hatte meine Poesie, und Rob, der Künstler, hatte seine Bilder. Wir beide fühlten uns sehr mit der Natur verbunden. Niemand war darum erstaunter als ich, als ich plötzlich für jemanden zu sprechen begann, der angeblich den Tod überlebt hatte. Manchmal schimpfte ich auch mit mir und dachte, dass sogar meine irische Großmutter mit Geistern im Wohnzimmer große Mühe gehabt hätte – und ich hatte sie immer als abergläubisch angesehen! Eine den Tod überlebende Seele schien ein fester Bestandteil des Erwachsenenunsinns zu sein, von dem ich eigentlich glaubte, ich sei ihm dank eines Unistudiums, eines wachen Geistes und einer guten Dosis angeborener Aufsässigkeit entflohen. Ich brauchte eine Weile, bis ich erkannte, dass ich im Hinblick auf ein Leben nach dem Tod geradeso meine Vorurteile dagegen wie andere sie dafür hatten. Heute weiß ich, dass sich meine geistige Flexibilität nur gerade auf Vorstellungen erstreckte, die in meine eigenen Vorurteile hineinpassten, während ich gleichzeitig auf meine Aufgeschlossenheit stolz war. Jetzt weiß ich, dass die menschliche Persönlichkeit eine viel größere Realität hat, als wir ihr für gewöhnlich zugestehen möchten. Irgendjemand hat über fünfzig Notizbücher fantastischen Materials hervorgebracht, und sogar in meinen skeptischsten Augenblicken muss ich die Wirklichkeit der Sitzungen und des Materials akzeptieren. Der Umfang, die Qualität und die Theorien des Materials hatten uns beinahe sofort „am Haken“.

Rob und ich sind überzeugt, dass das Seth-Material aus Quellen außerhalb von mir stammt und dass es viel weniger durch oberflächlichen althergebrachten Symbolismus verzerrt ist als andere paranormale Schriften, denen wir begegnet sind. Seth sagt, dieses Material sei von ihm und anderen schon zu anderen Zeiten und an anderen Orten dargeboten worden, aber dass es auf neue Art für jede nachfolgende Generation durch die Jahrhunderte hindurch erneut übermittelt würde. Der Leser, die Leserin muss sein bzw. ihr eigenes Urteil bilden, aber persönlich akzeptiere ich Seths Theorien als gültig und wichtig.

Überdies hat das Rätsel solcher Persönlichkeiten wie Seth – man mag sie „Geist“ oder „Daimon“ (wie Sokrates es tat) nennen – die Menschheit durch die Zeitalter hindurch beschäftigt. Das Phänomen ist kaum neu. Indem ich meine eigene Geschichte erzähle und das Material präsentiere, hoffe ich, etwas Licht auf die Natur solcher Erfahrungen zu werfen und zu zeigen, dass die menschliche Persönlichkeit über Fähigkeiten verfügt, die erst noch angezapft werden müssen, und über andere Möglichkeiten, Wissen zu erlangen, als jene, die sie für gewöhnlich nutzt.

Das Seth-Material hat meine Vorstellungen von der Natur der Realität völlig verändert und mein Identitätsgefühl verstärkt. Heute glaube ich nicht mehr, dass der Mensch ein Sklave der Zeit und von Krankheit und Verfall ist und angeborenen zerstörerischen Neigungen ausgeliefert ist, über die er keine Kontrolle hat. Ich fühle, dass ich mein Schicksal wie niemals zuvor in der Hand habe und nicht länger von Mustern gelenkt werde, die auf unbewusste Weise in meiner Kindheit angelegt wurden.

Ich möchte damit nicht andeuten, dass ich völlig frei von Sorgen und Ängsten bin, sondern dass ich heute weiß, dass wir die Freiheit haben, uns selbst und unsere Umwelt zu verändern und dass wir auf grundlegende Weise selbst die Umwelt erschaffen, auf die wir dann reagieren. Ich glaube, dass wir unsere eigene Realität erschaffen – jetzt und nach dem Tod.

Dieses Buch soll Sie mit Seth und dem Seth-Material bekannt machen. Obwohl Seth nur ein einziges Mal physisch materialisiert erschienen ist, hat Rob ihn gut genug gesehen, um ein Porträt von ihm malen zu können, das in unserem Wohnzimmer hängt (siehe im Bildteil des Buches). Durch mich hat Seth in nicht einmal fünf Jahren ein zusammenhängendes Manuskript hervorgebracht, dass inzwischen mehr als 5000 Schreibmaschinenseiten mit doppeltem Zeilenabstand umfasst. Ich kenne viele „lebende“ Personen, die während eines ganzen Lebens nicht einmal die Hälfte produziert haben. Doch meine eigene Arbeit geht weiter: Seit die Sitzungen begonnen haben, habe ich zwei Sachbücher (das vorliegende nicht eingeschlossen), zwei Gedichtbände und ein Dutzend Kurzgeschichten geschrieben. Seth hat also mit Sicherheit für seine Zwecke nichts von meinen eigenen kreativen Energien „gestohlen“.

Die ersten Kapitel dieses Buches werden das Erscheinen von Seths Persönlichkeit und die Wirkung behandeln, die er auf unser Leben hatte, während wir zu verstehen versuchten, was da geschah. Aus heiterem Himmel, so schien es, machte ich plötzlich Erfahrungen, die ich als beinahe unmöglich betrachtete. Niemals zuvor in unserem Leben sahen wir uns so gefangen zwischen Neugier und Vorsicht, so fasziniert und ratlos.

In diesem ersten Kapitel werden auch Auszüge aus den frühen Sitzungen zu finden sein, denn Seths Gedanken waren damals so neu und seltsam für uns wie die Sitzungen selbst. Aber das Hauptaugenmerk wird auf der Geschichte selbst liegen, angefangen bei den ersten Experimenten mit dem Ouija-Brett, als ich Rob und mich selbst erstaunte, weil ich für Seth zu sprechen begann, um dann auf die Veränderungen in unserer Einstellung einzugehen, als sich weitere Entwicklungen ergaben. Ich werde auch Beispiele für Seths hellsichtige Fähigkeiten aufführen.

Der größte Teil des Buches wird sich mit Seths Vorstellungen über diverse Themen befassen, etwa das Leben nach dem Tod, Reinkarnation, Gesundheit, die Natur der physischen Realität, das Gotteskonzept, Träume, Zeit, Identität und Wahrnehmung. Ich bin sicher, dass diese Auszüge aus dem Material und einige Reinkarnationssitzungen den meisten Lesern und Leserinnen größere Einsicht in ihre eigene Persönlichkeit und die Lebensumstände, in denen sie sich befinden, geben werden. Ich hoffe, dass Seths Theorien über Gesundheit allen meinen Lesern und Leserinnen nützen werden und dass das Material über die Natur unserer Persönlichkeit allen helfen wird, für sich selbst die multidimensionale Realität zu entdecken, die jedes Menschen Erbe ist.

Ich werde auch die philosophische und psychologische Bedeutung des Mediumismus und von ASW-Phänomenen und die möglichen Ursprünge des Seth-Materials betrachten, gemeinsam mit einigen Fragen bezüglich Seths unabhängiger Realität. Und ich werde Seths Ratschläge hinsichtlich der Entwicklung parapsychischer Fähigkeiten widergeben.

Eine bereits mit parapsychologischer Literatur und paranormalen Erfahrungen vertraute Person wäre wohl besser auf diese Ereignisse vorbereitet gewesen als ich, aber dennoch möchte ich sie um nichts in der Welt missen.

Jane Roberts, Elmira, NY, 1970