Einführung ins Seth-Material von Lynda Madden Dahl
Mitte der 80er-Jahre, als ich als Marketingmanagerin bei Apple Computer tätig war, stieß ich zufällig auf ein großartiges Buch der Autorin Jane Roberts mit dem Titel SETH SPRICHT, und dieses Buch katapultierte mich buchstäblich von einem Leben in ein anderes – zwar nicht so schnell, wie es vielleicht klingt, aber dennoch geschah genau das. Ich verließ Apple, um bei einem Start-up-Unternehmen in der Computerbranche einzusteigen, wurde schließlich Vizepräsident für Vertrieb und Marketing und erschaffte mir dann basierend auf Seths Konzepten eine kleines Vermögen – ganz im Sinne dessen, was Seth als in dieser Realität möglich beschreibt.
Bild Seth Speaks
Doch meine Geschichte ist kein Einzelfall: In den folgenden Jahren trafen mein Mann und ich viele Menschen, die dieselben Bücher lasen wie wir, und wir erfuhren, dass sehr viele von ihnen ihr Leben auf der Grundlage von Janes Werk radikal verändert hatten. Den meisten von uns war nie bewusst gewesen, dass überhaupt jemand anderes sonst noch ihre Bücher kannte, geschweige denn versuchte, die Konzepte ins eigene Leben zu integrieren. Wie sich aber herausstellte, gibt es weltweit mittlerweile Millionen von Lesern und Leserinnen von Seth und Jane Roberts, die still und leise ihr eigenes Ding machen und kaum ahnen, dass ihre Situation von anderen auf der Suche nach Antworten und Veränderungen gleich oder ähnlich erlebt wird.
Mit dem Seth-Material ist keinerlei Dogma verbunden – es gibt keine Regeln, keine Urteile und keine Gesetze. Es handelt sich lediglich um ein Werk, das in sehr klaren Worten die Natur der persönlichen Realität beschreibt und Wege aufzeigt, wie wir darin am besten funktionieren können.
Doch wer oder was ist Seth eigentlich nach seiner eigenen Definition? Er beschreibt sich als Energie-Essenz-Persönlichkeit, die nicht mehr in der physischen Realität verankert ist – man könnte ihn sich als eine Intelligenz außerhalb von Zeit und Raum vorstellen. Mit anderen Worten: Seths Realität ist nicht unsere.
Er machte sich 1963 bei Jane Roberts und ihrem Ehemann Robert Butts bemerkbar, als diese für ein Buchprojekt mit einem Ouija-Brett experimentierten. Keiner von beiden hatte sich zuvor für das Metaphysische interessiert, und sie waren auf Seths überraschendes Hervortreten völlig unvorbereitet. Doch angesichts der Qualität dessen, was sie über das Brett erhielten, ließen Rob und Jane ihre Bedenken fallen, und Jane erlaubte Seth schließlich, durch sie zu sprechen, anstatt das umständliche Ouija-Brett zu benutzen, wobei Rob die Worte akribisch niederschrieb.
Bild Jane Rob Diktat
Sie bildeten eine Dreier-Arbeitsbeziehung, die zu fast 2000 Sitzungen über mehr als 20 Jahre hinweg führte. Insgesamt kamen so über 30 von Seth durch Jane Roberts diktierte und 14 Bücher aus Janes eigener Hand zusammen. Diese Bücher bilden ein unglaubliches Gesamtwerk, das von Wissenschaftlern, Philosophen und ganz „normalen“ Menschen studiert und diskutiert wird. Aufgrund seiner Qualität und Bedeutung wird das Werk mittlerweile in der Sterling Memorial Library der Yale University in New Haven archiviert und ist dort eine der am meisten besuchten Sammlungen überhaupt. Menschen aus der ganzen Welt reisen dorthin und verschaffen sich in der Bibliothek einen eigenen Eindruck über das Werk, das allen offensteht.
Während Jahrzehnten arbeitete sich die Seth-Forscherin Mary Dillman in Vollzeit durch sämtliche Texte – Buchdiktate, Tagebücher, persönliche Korrespondenz, unveröffentlichte Seth-Sitzungen und vieles andere – und digitalisierte das Gesamtmaterial erstmals. Basierend auf Dillmans Arbeit konnten so zum Beispiel die neun Bände von DIE FRÜHEN SITZUNGEN, die sieben Bände von DIE PERSÖNLICHEN SITZUNGEN, die vier Bände von DIE FRÜHEN KLASSENSITZUNGEN, das exklusiv im Seth-Verlag erschienene zweibändige Werk DAS SETH-MULTIVERSUM und das ebenfalls exklusiv im Seth-Verlag erschienene Grundlagenbuch DAS PHYSISCHE UNIVERSUM ALS GEDANKENKONSTRUKTION veröffentlicht werden. Daneben führte Mary Dillman mit zahlreichen Menschen aus dem Kreis von Jane Roberts und ihrem Werk Interviews, darunter viele ehemalige Teilnehmer der ASW-Klasse, die von 1969 bis 1975 in Elmira im Wohnzimmer von des Ehepaars Roberts/Butts stattfanden. Ein Teil der dabei entstandenen Seth-Sitzungen wurde vom Seth-Verlag bereits veröffentlicht.
Bild 4 Bände Klassensitzungen
Es gibt viele weitreichende Konzepte, die Seth in seinen Büchern behandelt, doch an dieser Stelle möchte ich einen Blick auf dasjenige werfen, das die Aufmerksamkeit der Menschen in der Regel als Erstes auf sich zieht: nämlich wie Schöpfung zustande kommt und wie wir dieses Wissen nutzen können, um für uns selbst und unsere Familien ein erfüllteres, befriedigenderes und reichhaltigeres Leben zu gestalten.
Laut Seth wurde uns die Gabe der Götter geschenkt – die Gabe der Kreativität. Er sagt, es gebe nur eine Regel im Rahmen der physischen Existenz, und zwar die Tatsache, dass wir unsere individuelle Realität selbst gestalten, aufbauen oder erschaffen. Ereignisse widerfahren uns nicht einfach. Wir verursachen sie durch das, was wir in unserer Welt und in unserem Leben erwarten. Und die gute Nachricht ist: Wenn wir unser Unglück jetzt selbst verursachen, dann können wir es jetzt auch selbst ändern. Seth sagt aber nicht, dass wir angesichts unserer Probleme einfach eine positive Einstellung bewahren und eine fröhlich-stoische Fassade aufrechterhalten sollen, während unser Dach einstürzt, um dies dann als Gestaltung unserer Realität zu bezeichnen.
Er sagt auch nicht, dass wir uns lediglich unsere Erfolge zuschreiben sollen, für die wir hart gearbeitet und viele Stunden mühsamer Arbeit investiert haben, um nur dies dann als Gestaltung unserer Realität zu bezeichnen. Vielmehr spricht er von unserer gesamten Existenz. Er spricht davon, dass wir die Schöpfer der Probleme sind, mit denen wir konfrontiert sind, der Erfolge, die wir erleben, der Umwelt, in der wir leben, der materiellen Gegenstände in unserem Besitz und des Zustands unseres Körpers. Seth meint genau das, wenn er sagt, dass wir alles erschaffen haben; allerdings müssen wir die Natur der Realität verstehen, bevor wir uns bewusst darin zurechtfinden können – und das scheint ohnehin Teil unseres Wachstumsplans als Bewusstsein in der physischen Existenz zu sein.
Bild Buch Die Natur der persönlichen Realität
Wir sind hier, um zu lernen, dass unsere Gedanken schöpferische Kraft besitzen, und dass sie in Verbindung mit Emotionen, Wünschen und Absichten das bilden, was als unsere gegenständliche Welt bekannt ist. Das ist in der Tat eine wichtige Lektion, denn sobald wir das verstanden haben, werden wir als Individuen und als Menschheit beginnen, unser Leben intelligent und mit bewusster Absicht und Orientierung zu gestalten; wir werden nicht länger an Schicksal, Umstände, Glück oder Bedingungen glauben, die außerhalb unserer Kontrolle liegen; wir werden ihren wahren Ursprung erkennen, und durch dieses Wissen werden wir frei sein, die Veränderungen vorzunehmen, die wir für richtig und notwendig erachten.
Und was wir alle wollen, ist ein besseres Leben – wie auch immer wir den richtigen Weg dorthin finden mögen. Das bedeutet, dass wir uns am besten an die Arbeit machen und herausfinden sollten, wie unser Universum eigentlich funktioniert, damit wir uns darin viel leichter und erfolgreicher zurechtfinden können. Sprechen wir also über die grundlegende Struktur unserer gewählten Realität.
Wir beginnen mit dem wichtigsten Thema unserer Existenz, nämlich der Tatsache, dass es nichts außer Bewusstsein gibt. Gemäß den sich entwickelnden Konzepten der neuen Physik und den uralten Vorstellungen der Metaphysik entspringt das gesamte Universum – Raum, Zeit, Materie und alle Kräfte – der Grundenergie des Bewusstseins. Sind wir religiös, nennen wir das Bewusstsein „Gott“ und schreiben ihm menschliche Eigenschaften zu; sind wir metaphysisch ausgerichtet, betrachten wir unsere Welt und unser Leben als Produkte dieses Bewusstseins. Laut Seth gibt es buchstäblich nichts außer diesem Bewusstsein. Es ist eine lebendige, liebevolle, sich ausdehnende Energiegestalt, die sich selbst in Formen, Dinge und Ereignisse denkt.
Wir sind Teil dieses Bewusstseins und treten aus ihm heraus in diese Realität, doch das bedeutet Abspaltungen, denen wir dadurch gegenüberstehen – etwa unserem eigenständigen physischen Körper, einem Stuhl, einem Baum, einer Maus. Und tatsächlich ist der Raum zwischen solchen Dingen nur eine Illusion, denn das Bewusstsein – oder vielmehr Alles-Was-Ist – lässt sich nicht teilen; es kann nur so aussehen, als ob es geteilt wäre. Die metaphysische Aussage, dass wir eins sind, ist somit buchstäblich wahr. Bewusstsein ist der Baustein, aus dem wir – diese kleinen Götter, die wir sind – Schrecken und Tragödien erschaffen. Und genauso wie es der Baustein ist, aus dem wir Liebe und liebevolle Beziehungen erschaffen, können wir das Bewusstsein zu allem formen, was wir wollen. Es erweist uns die Gunst, genau das zu werden, was wir ihm erlauben zu sein. So großartig unsere Welt auch ist, sie ist nur ein kleiner Teil des gesamten universellen Bewusstseins – oder von Allem-Was-Ist –, das an ihrer Entstehung beteiligt ist: die schöpferische Energie, die uns, unsere Umwelt und die Erde formt.
Unsere Realität entspringt unseren kollektiven höheren Selbsten – jenen erweiterten Teilen eines jeden von uns, die außerhalb von Zeit und Raum existieren. Wir selbst und alle Lebewesen dieser Erde sind von der eigenen schöpferischen Energie durchdrungen, und dieser schöpferischen Energie innewohnend ist der ständige Wunsch und das Bedürfnis, uns durch fortwährende Manifestation auszudrücken. Wir treten in die physische Realität unter zwei übergeordneten Zwecken ein: Der eine ist persönlicher Natur, der andere gemeinschaftlicher, doch dem zugrunde liegt in beiden Fällen das Bedürfnis, mit Energie zu spielen und zu sehen, was geschieht.
Bewusstsein kann laut Seth nicht sterben. Es wechselt zwar den Zustand, kann aber nicht vernichtet werden. Wir sind Bewusstsein, das vorübergehend in einer physischen Realität weilt. Nach dem, was wir Tod nennen, kehren wir zu unserer Energiequelle oder unserem höheren Selbst zurück, nur um einen anderen Weg zu wählen, uns auszudrücken. Einige der Abenteuerlustigeren entscheiden sich vielleicht dafür, in ein weiteres physisches Leben zurückzukehren, andere von uns werden andere Wege des Wachstums suchen, aber als Teil des Ganzen streben wir stets Erfüllung durch kreative Fähigkeiten an.
Ein weiterer Grundgedanke aus dem Seth-Material ist, dass unsere Welt und alles darin eine Konstruktion oder die Umwandlung von Gedanken in physische Realität ist. Das Universum besteht, wie wir gerade gesehen haben, aus dem Rohstoff Energie oder Bewusstsein, doch dieser muss in eine nutzbare Form umgewandelt werden, um als Materie oder Ereignis in diese Realität einzutreten. Gedanken sind der Katalysator, der diese Energie in eine Substanz umwandelt, die den Bedürfnissen und Vorgaben der physischen Welt entspricht.
Gedanken besitzen große Macht, denn wenn sie lange genug im Bewusstsein gehalten werden, schaffen sie Strukturen in unserer Welt. Alles, was wir um uns herum sehen, ist ein Gedanke oder eine Gedankenkonstruktion, die durch das Denken ins Dasein gerufen wurde – und dazu gehören alle materiellen Gegenstände und Ereignisse, mit denen wir in Berührung kommen. Tatsächlich ist unser Körper die Vorstellung unseres höheren Selbst, die Konstruktion dessen, wie es uns sieht, umgesetzt in Fleisch und Blut.
Wir sind Gedanken, physisch geworden durch die Umformung von Energie. Unsere Umwelt ist die umfassende Gedankenkonstruktion dessen, was wir in Materie umsetzen wollen. Jeder von uns nimmt jedoch nur seine eigenen Konstruktionen wahr. Es gilt: Wir erschaffen unsere höchst persönliche, eigene Realität, doch da wir uns auf einige Grundgedanken oder -annahmen einigen, bevor wir selbst physisch werden, weist das Erscheinungsbild der Umwelt Kohärenz auf. So sehen beispielsweise fünf Menschen das, was sie für denselben Tisch halten, doch tatsächlich werden fünf Tische in Zeit und Raum projiziert, die zwar das gleiche allgemeine Format aufweisen, aber individuelle Merkmale besitzen.
Wenn wir einen Raum betreten, einigen wir uns telepathisch auf die Anordnung und die Dimensionen des Tisches sowie aller anderen Objekte und Personen in diesem Raum; anschließend bauen wir die Szene individuell so auf, dass sie unseren Vorstellungen entspricht. Unsere persönlichen Konstruktionen überschneiden sich, und wir einigen uns auf bestimmte gemeinsame Parameter – doch wir sollten uns nichts vormachen: Meine Realität ist meine Realität, und deine Realität ist deine Realität. Obwohl sie sich im selben psychischen Raum oder Raumkontinuum befinden, sind sie doch einzigartig und individuell und werden trotzdem auf merkwürdige Weise geteilt.
Ein weiteres Grundkonzept von Seth über das Wesen der Realität lautet wie folgt: Die lineare Zeit ereignet sich in Wirklichkeit simultan. Sie scheint ein Werkzeug zu sein, das wir gewählt haben, um die Ergebnisse unserer Schöpfungen zu erfahren. Der Sinn der linearen Zeit besteht darin, unsere Schöpfungen sozusagen in Zeitlupe sehen und erleben zu können, um dann zu entscheiden, was in unserem Leben funktioniert und was nicht – darin liegt ihr Hauptzweck im größeren Rahmen des universellen Gesamtbildes. Allerdings geschieht, wie gesagt, alle Zeit auf einmal oder simultan. Selbst Physiker sind sich in diesem Punkt einig: Es gibt lediglich einen fortwährenden Augenblick, der von der Illusion der Zeit umgeben ist. Und das bedeutet, dass es keine aufeinanderfolgenden Augenblicke gibt.
Auch wenn dies esoterisch klingen mag, gibt es einige sehr praktische Aspekte der simultanen Zeit, die wir verstehen müssen. Einer davon ist, dass ohne aufeinanderfolgende Augenblicke jedes wahrscheinliche Ereignis, dem wir jemals begegnen können, uns gerade jetzt umgeben muss. Oder: Wenn alle Zeit auf einmal geschieht, dann müssen auch alle möglichen Ereignisse auf einmal geschehen. Und das tun sie auch. Seth nennt sie Wahrscheinlichkeiten, und jede Wahrscheinlichkeit ist so real wie jede andere. Sie ist bereits geformt, und das Bewusstsein wartet nur auf unser zustimmendes Nicken, um sie Teil unseres physischen Lebens werden zu lassen. Je intensiver wir eine Wahrscheinlichkeit betrachten, indem wir darüber nachdenken, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in die physische Realität eintritt. Während wir uns auf der illusorischen Zeitachse von der Geburt bis zum Tod bewegen, wählen wir aus diesen Wahrscheinlichkeiten aus und bezeichnen einige als unsere offizielle Vergangenheit und andere als Gegenwart; doch Seth betont nachdrücklich, dass die Vergangenheit offen ist und niemals abgeschlossen wird.
Neue Ereignisse können und werden ständig aus dem größeren Feld der Wahrscheinlichkeiten ausgewählt und in die vermeintlich lineare Zeit eingefügt, auch in unsere Vergangenheit. Das bedeutet, dass die Vergangenheit buchstäblich veränderbar ist; sie kann vom gegenwärtigen Moment aus neu gestaltet werden – und wird es auch ständig. Da es keine aufeinanderfolgenden Momente gibt, wird unsere Vergangenheit durch die Art und Weise, wie wir sie gerade betrachten, entsprechend geprägt, und Erinnerungen passen sich an, um diese Veränderungen widerzuspiegeln. Wir können heute eine Entscheidung treffen, die nichts mit der Vergangenheit zu tun hat, wie wir sie kennen, die diese Vergangenheit aber dennoch so verändert, dass es so aussieht, als hätten wir sie schon vor langer Zeit so geplant. Andere werden unsere Gedanken telepathisch wahrnehmen – was unsere Hauptkommunikationsform ist –, und dann werden sich ihre Erinnerungen so anpassen, dass sie mit unseren übereinstimmen. Auf diese Weise wird die Kontinuität zwischen unseren Realitäten gewahrt. Es gibt Grundannahmen, auf die wir uns alle telepathisch einigen – und diese ändern sich nicht, weil wir uns dafür entschieden haben, sie beizubehalten, wie zum Beispiel, wo sich Länder befinden, wer die derzeitigen Staatschefs sind und dass es ein Gebäude namens Empire State Building und eine Stadt namens New York gibt. Dieser Teil unseres gemeinsamen mentalen Netzwerks, der unsere gemeinsame Realität ausmacht, verändert sich nicht.
Aber sagt uns das nicht etwas, das unser Leben grundlegend verändert? Auf jeden Fall, und es sagt uns, dass es keine Vergangenheit gibt, dass wir keine Vergangenheit erschaffen haben – denn die Vergangenheit liegt in der Gegenwart und hängt davon ab, welchen Wahrscheinlichkeiten wir durch unsere Gedanken die größte Bedeutung beimessen. Das bedeutet, dass Verletzungen, Traurigkeit und Misserfolge unser Leben nicht mehr aus der Bahn werfen können, es sei denn, wir verstärken sie weiterhin durch unseren Glauben an sie. Wir können sie aus unseren Erinnerungen verbannen. Wir können unsere Gegenwart durch eine Änderung unserer Einstellung und unserer Überzeugungen zum Positiven wenden und unser Leben so weiterleben.
Diese Tatsache gibt uns mehr als jede andere unsere Freiheit zurück – unsere Vergangenheit kann uns nicht mehr beeinflussen, es sei denn, wir lassen es zu. Wir, liebe Freunde, sind wahrhaft freie Geister mit großer Macht in unseren Händen: der Macht, unser Leben nicht nur ein einziges Mal, sondern immer und immer wieder neu zu gestalten, basierend auf neuen Wahrscheinlichkeitsentscheidungen. Um dieses Konzept zu unterstreichen, hier ein großartiges Seth-Zitat:
„Es gibt Ursache und Wirkung nicht in dem Sinne, wie ihr diese Begriffe versteht, und es gibt auch keine Abfolge von Augenblicken. Und ohne eine Abfolge von Augenblicken könnt ihr nachvollziehen, dass die Vorstellung von Ursache und Wirkung bedeutungslos wird. Eine Handlung in der Gegenwart kann nicht durch eine Handlung in der Vergangenheit verursacht werden, und keine der beiden Handlungen kann in einer Grundrealität die Ursache für eine zukünftige Handlung sein – in einer Grundrealität, in der weder Vergangenheit noch Zukunft existieren.“
Seths nächster Punkt über das Wesen unserer Realität wird tatsächlich zur entscheidenden Frage: Was bestimmt genau, welche Wahrscheinlichkeiten in unserem Leben aktiviert werden? Was ist es, das uns von der Wahrscheinlichkeit der Armut zum Reichtum, von Krankheit zu Gesundheit, vom Ungeliebtsein zum Geliebtsein führt? Das sollte mittlerweile keine große Überraschung mehr sein: Es sind unsere Gedanken. Was wir in diesem gegenwärtigen Moment denken, fühlen und glauben, bestimmt die Wahrscheinlichkeit, der wir begegnen werden. Von Depression zu Hochstimmung, von Geld zu Geldmangel, von Einsamkeit zu Liebe. All das entsteht aufgrund dessen, was wir gerade jetzt denken und glauben. Der Schlüssel liegt also darin zu entscheiden, was wir sein und haben wollen, und uns dann in diese Position hineinzudenken – wie sonst könnte Veränderung in der Realität stattfinden, die laut Seth nur ein mentales Geflecht aus Gedanken ist, das sich tarnt, um physisch zu erscheinen?
Laut Seth hat ein einziger Gedanke mehr Kraft, als nötig wäre, um eine Rakete zum Mond zu schicken – das müsste er ja auch, wenn alles, was wir sehen, einschließlich uns selbst und der Natur, unsere Gedankenkonstruktionen sind, die den Anschein physischer Realität haben. Das bedeutet eine ganze Menge mächtiger Gedanken. Das alles muss im Gleichgewicht gehalten werden.
Sprechen wir nun einen Moment lang über Glaubenssätze, denn sie bergen große Kraft. Die Definition eines Glaubenssatzes ist einfach: Es ist ein Gedanke, der in unserem Bewusstsein fest verankert ist und durch Vorstellungskraft, Emotionen und Beständigkeit verstärkt wird. Und wenn schon ein einziger gewöhnlicher Gedanke genug Kraft hat, um eine Rakete zum Mond zu schicken, kann man sich vorstellen, wie groß die Kraft eines ganzen Glaubenssatzes sein muss! Ein Glaubenssatz wird genau das manifestieren, was wir von ihm erwarten, ganz gleich, ob wir das Ganze dann als positiv oder negativ bewerten. Unser Leben entfaltet sich auf der Grundlage unserer Galubenssätze oder Überzeugungen über uns selbst, unsere Erziehung, unsere Vergangenheit, den Zustand der Welt, unsere Vorurteile, unsere Ansichten über Religion, Gesundheit, Krankheit, Sicherheit, Verletzlichkeit, Liebe, Geld und so weiter.
Unsere Überzeugungen spiegeln sich deutlich in der Art der Freunde wider, die wir uns aussuchen, sowie in unseren Besitztümern. Der Zustand unseres Körpers, unsere Schuldgefühle und Ängste, unser Wohn- und Arbeitsumfeld, unsere Handlungen und Reaktionen, unsere Berufswahl, die Vereinigungen, denen wir beigetreten sind, unsere politischen Standpunkte – all das, was wir glauben und erleben – sollte uns das nicht dazu veranlassen, genauer hinzuschauen, was den ganzen Tag über in unserem Kopf vorgeht oder welche langjährigen Einstellungen wir vertreten, ohne jemals deren Grundlage zu hinterfragen?
Natürlich sollte es das, und das bringt uns zu einem wichtigen Punkt, dem die meisten unserer Psychologen – vor allem dank Freud – nicht zustimmen. Unsere Überzeugungen und die Gründe dafür lassen sich ganz offensichtlich in unserem Bewusstsein finden. Sie sind nicht unter Schichten psychologischen Schuttes vergraben, um erst nach unzähligen Stunden der Analyse – sei es durch uns selbst oder durch einen Therapeuten – ans Licht gebracht zu werden. Tatsächlich sind sie offenkundig, sobald wir wissen, wo wir suchen müssen. Das Bewusstsein ist dazu in der Lage, seine eigenen Überzeugungen zu erkennen, über sie nachzudenken und ihre Ergebnisse zu bewerten. Würden wir dieses Werkzeug also so nutzen, wie es eigentlich gedacht ist, würde uns der Verstand automatisch dabei helfen, sowohl unsere Überzeugungen als auch deren Auswirkungen zu erkennen. Dann könnten wir ihre Gültigkeit bewerten und entscheiden, ob wir den Weg, den sie uns automatisch vorgeben, weitergehen wollen oder nicht.
Werfen wir einen Blick auf einige einschränkende Überzeugungen, die in der heutigen Welt verbreitet sind. Versuche, deine Reaktionen darauf einzuschätzen:
Krankheiten gehören zum Leben.
Viren kommen ganz zufällig.
Ich bin machtlos, mich selbst zu heilen.
Das Schicksal bestimmt mein Leben.
Ich bin ein Opfer der Umstände.
Ohne Fleiß kein Preis.
In dieser Welt herrscht das Gesetz des Stärkeren.
Es ist alles die Schuld meiner Eltern.
Ich muss hart arbeiten, um mein Geld zu verdienen.
Geld ist die Wurzel allen Übels.
Geld haben zu wollen, ist nicht spirituell.
Leiden gehört zum Leben dazu.
Ich bin machtlos, mein Leben wesentlich zu verändern.
Es gibt viel Böses da draußen.
Ich habe der Welt nichts zu bieten.
Ich bin anfällig für Verbrechen und Unfälle.
Niemand schätzt mich.
Ich bin nicht attraktiv genug, um einen Partner zu finden.
Niemand liebt mich.
Die Liebe hält nie lange.
Schauen wir uns nun einige positive, unterstützende Überzeugungen an. Achte auch hier auf deine Reaktionen:
Ich bin eine gute Führungskraft.
Es ist in Ordnung, reich zu sein.
Ich verdiene viel Geld.
Das Leben macht so viel Spaß.
Das Universum hat Sinn und Zweck.
Die Welt ist ein sicherer Ort zum Leben.
Ich glaube voll und ganz an mich selbst.
Ich bin selbstbewusst und erfolgreich.
Ich liebe mich so, wie ich bin.
Ich fühle mich wohl in meinem Körper.
Ich kann mit allem umgehen, was auf mich zukommt.
Ich bin jemand, der Entscheidungen trifft.
Ich bin der Liebe würdig.
Ich übernehme Verantwortung für mein gesamtes Leben.
Ich strotze vor Energie und Begeisterung.
Ich steuere meine Gesundheit durch meine Überzeugungen.
Es gibt keine Krankheit, die ich nicht heilen kann.
Ich werde friedlich und angenehm sterben.
Alle Überzeugungen lassen sich anhand physischer Daten nachvollziehen, was bedeutet, dass sie alle in unserem Leben Gestalt annehmen – sei es zu unserem Nachteil oder zu unserem Vorteil. Wer sich für arm hält, wird Geld verlieren, sich Chancen entgehen lassen oder es schlecht anlegen, ganz gleich, ob er hart dafür arbeitet oder es geschenkt bekommt. Wer sich selbst in einen Zustand der Einsamkeit hineinhypnotisiert hat, wird sich verlassen fühlen, selbst wenn er von Hunderten von Freunden und Bewunderern umgeben ist. Soziale Vereinigungen, politische Gruppierungen, berufliche Kreise und Freunde werden alle durch unsere Überzeugungen in unseren Wirkungsbereich gezogen. Wir werden jene Situationen suchen, die unseren Überzeugungen entsprechen, und jene meiden, die sie bedrohen.
Die meisten Menschen verstehen nicht, wie die Realität entsteht, und aufgrund ihrer Missverständnisse wenden sie sich an einen personifizierten Gott, dem sie positive Ergebnisse zuschreiben, während ein Teufel die Schuld für die unerwünschten Früchte ihres Denkens erhält. Wenn wir jedoch nicht an das Böse glauben – wenn wir wissen, dass es sich lediglich um eine Verzerrung unseres Verständnisses handelt, die zu einem großen Teil von uns selbst geschaffen wird –, dann werden wir uns so weit entwickeln, dass wir es nicht mehr hervorbringen. Unsere physischen Sinne werden dann keinen Widerspruch mehr zu unseren Überzeugungen erkennen. Sie werden die Welt und die Existenz als gut wahrnehmen, einfach weil wir daran glauben, dass es wahr ist.
Globale Ereignisse entstehen ebenso wie individuelle, doch sie werden durch die kollektiven Überzeugungen aller Seelen geformt, die in der physischen Realität leben. Die großen Dramen, die die Jahrhunderte geprägt haben – etwa die Renaissance, die Entstehung Amerikas, die Weltkriege und die Apartheid in Südafrika – hätten nicht stattfinden können, wenn nicht eine Vielzahl individueller Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen zu massiven Ereignissen verschmolzen und diese hervorgebracht hätten; daher liegt die Antwort auf den Wandel der Welt im persönlichen Wandel.
Wenn jeder von uns seine Überzeugungen von Verletzlichkeit und Opferrolle sowie das Bedürfnis nach Aggression ablegt und sie durch den Glauben an vollkommene Sicherheit und innere Stärke ersetzt, wird unsere Welt von Hoffnung erhellt – denn dann gibt es weniger Menschen, die Negativität in die psychische Bewusstseinsgestalt der Welt einspeisen, und es gibt mehr Menschen, die dieselbe Gestalt mit Liebe und Frieden erfüllen.