Maurizio Vogrig

Seths magischer Weg

Maurizio Vogrig
Seths magischer Weg
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SETHs MAGISCHER WEG wurde erst zehn Jahre nach Jane Robert's Tod veröffentlicht. Die Verzögerung erklärt sich unter anderem damit, dass Robert Butts, Janes Ehemann, in der dazwischenliegenden Zeit zuerst die Arbeit an anderen Seth-Bücher beenden musste, vornehmlich an Träume, "Evolution" und Werterfüllung und "Der Weg zur Gesundheit" (Seths letzte Botschaft).

Der magische Weg umfasst 17 Sitzungen aus dem Jahr 1980, in denen Seth über die Kunst eines kreativen Lebens spricht. Die meisten Menschen leben ihr Leben primär auf rationale Weise, gemäß einem rationalen Ansatz, einer rationalen Herangehensweise oder Methode oder - eben - einem rationalen Weg. In seinem Buch sagt Seth nun, dass es noch einen anderen Ansatz oder Weg gibt, nämlich den magischen Weg. Dieser magische Weg, das eigene Leben auszurichten, umfasst auch die Intuition, Träume und inneres Wissen, denn auf sich alleine gestellt ist der rationale Geist nicht fähig, allen Problemen und Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. So schreibt Seth in Kapitel Eins von Der magische Weg:

„Ich möchte wirklich klar machen, dass wir es mit zwei völlig unterschiedlichen Herangehensweisen an die Realität und an Problemlösungen zu tun haben – Methoden, die wir hier die rationale Methode und die magische nennen werden. Der rationale Ansatz funktioniert in gewissen Situationen recht gut, etwa bei der Massenproduktion von Gütern oder bei bestimmten Arten wissenschaftlicher Messungen – aber alles in allem ist die rationale Methode, so wie sie verstanden und angewandt wird, als genereller Lebensansatz oder bei der Lösung von Problemen, die viel eher subjektive als objektive Messungen oder Berechnungen erfordern, unzureichend.“

Der magische Weg ist eine kreative Herangehensweise ans Leben, und Seth betont, dass es sich hierbei keinesfalls um Fantasie handelt; vielmehr geht es darum, sich einer größeren Version von Wahrheit hinzuwenden, aus der die reale Welt hervorgeht.
 

LESEPROBE

SITZUNG 5, 20. AUGUST 1980, 21.08 UHR, MITTWOCH

DENKWEISEN. DIE KOMBINATION DES MAGISCHEN WEGS UND DES SO GENANNT RATIONALEN WEGS

(Um 20.45 Uhr waren wir bereit für die Sitzung. Jane fühlt sich um einiges wohler: „Mein Gesäß fühlt sich um 75 % besser“, sagte sie jetzt erneut. Ich selbst arbeite wieder an der Chronologie für Seths jüngstes Buch, Träume, und habe zudem ein paar Bilder über meine eigenen Träume gemalt. Jane hat ausgezeichnete Trauminterpretationen geliefert; einige meiner nächtlichen Exkursionen ergaben sich aufgrund dieser Sitzungen über den magischen Weg.

(Flüsternd:) Guten Abend.

("Guten Abend, Seth.")

Wir setzen unsere Diskussion fort.

Das wissenschaftliche Bezugssystem wird mit dem Ausdruck „rationales Denken“ gleichgesetzt, und dies zu einem Ausmaß, dass jegliche abweichende Denkweise automatisch irrational zu sein scheint. Diesbezüglich wurde das Denken zu spezialisiert, mit zu vielen Vorurteilen behaftet und zu starr.

Es gibt aber verschiedene Denkweisen. Jedes Individuum hat seine oder ihre eigene Denkweise, eine besondere reichhaltige persönliche Mischung aus Vermutungen, Fantasien und auf das eigene Ego bezogene Arten, subjektive und objektive Daten zu verwenden. Die Wissenschaft dominiert die Welt der Gedanken heute aber dermaßen umfassend, dass viele Richtungen und Bereiche, die einst als völlig „rational“ betrachtet wurden, nicht mehr als seriös gelten. Die Wissenschaft versucht, sich an das zu klammern, was sie beweisen kann.1 Leider neigt sie daher dazu, eine Weltsicht zu errichten, die nur auf ganz bestimmtem Material beruht. Womit man es schließlich zu tun hat, sind voneinander getrennte Disziplinen: Biologie, Psychologie, Physik, Mathematik und so weiter, eine jede mit ihren eigenen Gruppen von Fakten, die eifersüchtig behütet werden, und eine jede ihre eigene Weltsicht bietend: Die Welt aus Sicht der Biologie oder die Realität aus der Sicht der Physik.

Es gibt kein spezielles Gebiet, das alle diese Informationen oder die Fakten der einen Disziplin mit den Fakten einer anderen Disziplin kombiniert, so dass die Wissenschaft mit ihrer Marke des rationalen Denkens keine ausgewogenen sinnvollen hypothetischen und umfassenden Vorstellungen dafür bieten kann, was die Realität ist. Es scheint, dass jedes Individuum tatsächlich hinsichtlich bestimmter lebenswichtiger Dinge isoliert ist – abgesehen von einem genetischen Erbe und einer bestimmten Menge nicht spezifizierter Energie, mit der die Maschinerie des Körpers in Gang gehalten wird. Absicht, Bestimmung oder Verlangen haben keinen Platz in diesem Bild.

Das Individuum ist daher, nochmals, ein Fremder, beinahe ein Außerirdischer in seiner oder ihrer eigenen Umwelt, in der es um sein Überleben kämpfen muss, und zwar nicht nur gegen „gleichgültige“ Kräfte der unmittelbaren Umwelt, sondern auch gegen den genetischen Determinismus. Das Individuum muss sich gegen seinen eigenen Körper wehren, seine Anfälligkeit gegenüber angeborenen Störungen betonen und sozusagen gegen eine angeborene Zeitbombe kämpfen, und die Auslöschung kann sich ohne Vorwarnung ereignen. Die Wissenschaft betont die kooperativen Kräfte der Natur nicht. Vielmehr schwelgt sie in Unterschieden, Spezifikationen und Kategorien und ist generell gesehen völlig blind gegenüber den vereinenden Kräften, die natürlich genauso real sind. Wenn ich daher sage, dass die natürliche Person auch die magische Person ist, ist es einfach, sogar diese Vorstellung in isoliertere Begriffe als von mir beabsichtigt zu übertragen.

Es ist nicht nur so, dass jeder Mensch seinen oder ihren Ursprung in einer „magischen“ Dimension hat, aus der sein oder ihr gesamtes Leben hervorgeht, sondern dass der persönliche Ursprung selbst auch ein Teil genau jener Energie ist, die den ganzen Planeten und seine Bewohner und auch die Gesamtstruktur aufrechterhält, die ihr als Universum versteht.

Felder oder E-b-e-n-e-n (buchstabiert), die in Wechselbeziehungen stehen, verbinden alle Arten des Lebens und unterstützen es, sagen wir, nicht nur durch ein einziges System – ein biologisches oder spirituelles –, sondern an jedem erdenklichen Punkt seiner Existenz. Ihr habt nicht nur eine ganz bestimmte Menge Energie zur Verfügung, wenn wir im vorher erwähnten Sinn sprechen. „Neue“ Energie ist überall erhältlich. Nochmals: Es gibt keine geschlossenen Systeme. Und nochmals: Die Umwelt ist bewusst und lebendig. Es finden ständig Kommunikationen zwischen eurem Körper und allen Teilen der Umwelt statt.

Für euch bedeutet das, dass ihr euch nicht nur auf das verlassen müsst, was ihr als eure persönlichen Ressourcen betrachtet. Grundsätzlich ist Werterfüllung eine der wichtigsten Eigenschaften der Existenz, weshalb alle Dinge individuell und gemeinsam in einer Art und Weise agieren, die am besten für die Gesamterfüllung des ganzen Gebildes geeignet ist.

Ihr wurdet geboren, weil ihr geboren werden wolltet. Eine Pflanze beginnt aus dem gleichen Grund zu leben. Ihr lebt aber in einem anderen Bezugssystem als eine Pflanze: Ihr habt mehr Wahlmöglichkeiten. Ihr tauscht euch auf andere Weise mit der Natur aus. Euer Intellekt soll euch helfen, Entscheidungen zu treffen. Er erlaubt euch, gewisse Wahrscheinlichkeiten in einem physischen Zeitkontext wahrzunehmen. Ihr gebraucht den Intellekt richtig, wenn ihr ihm gestattet, physische Bedingungen so klar wie möglich wahrzunehmen. Dann kann er die vorteilhaftesten Entscheidungen bezüglich eurer Ziele treffen.

Diese Ziele sind normalerweise in Begriffe gefasste Wünsche, und sind sie einmal geformt, dann verhalten sie sich auf gewisse Weise wie Magnete und ziehen aus jenen weiten Feldern von Wechselbeziehungen die Arten von Bedingungen an, die sich am besten für ihre Erfüllung eignen. Der Intellekt alleine kann die Erfüllung dieser Ziele nicht zustande bringen. Der Intellekt alleine kann keine einzige Bewegung des Körpers zustande bringen. Er muss auf jene anderen Eigenschaften zählen, die er tatsächlich in Gang setzt – jenes spontane Feld innerer Komplexität, jene geordnete Magie. Punkt.

Wenn der Intellekt richtig gebraucht wird, denkt er an ein Ziel und setzt den Körper automatisch auf seine Erfüllung hin in Gang, und er weckt ebenfalls automatisch die anderen ihm unbekannten Kommunikationsebenen, so dass alle Kräfte auf die Erlangung des Ziels hin zusammenarbeiten. Nehmen wir einmal ein hypothetisches Ziel, das es zu erreichen gilt. Wenn der Intellekt richtig gebraucht wird, dann stellt er sich das Ziel vor und erreicht es auch in seiner Vorstellung. Wäre es ein physisches Ziel, stünde die Person mit Pfeil [und Bogen] in der Hand da, mit nichts anderem im Sinn als ins Schwarze zu treffen. Sie würde sich mental darauf konzentrieren und vielleicht gewisse erlernte Bewegungen ausführen – die richtige Haltung einnehmen oder was auch immer –, und die magischen Eigenschaften des Körpers würden den Rest übernehmen.

Wenn der Intellekt aber falsch gebraucht wird, dann ist das so, als ob der Intellekt glaubt, von ihm würde erwartet, irgendwie alle diese inneren Prozesse zu kennen oder sie persönlich zu leiten. Wenn die falschen Glaubenssatzsysteme und negativen Einstellungen zusammen mit dem so genannt rationalen Denken ans Ruder kommen, dann ist das so, als ob unsere Person zwar das Ziel sieht, ihre Aufmerksamkeit aber nicht darauf, sondern auf alle möglichen Wege richtet, die ihr Pfeil fälschlicherweise nehmen könnte: Er könnte nach links oder rechts abdriften, zu weit oder zu wenig weit fliegen oder in der Luft verschwinden, aus ihrer Hand fallen oder auf unzählige andere Arten ihrer Absicht zuwiderhandeln.

Sie hat ihre Konzentration dann natürlich völlig vom Ziel abgewandt und auf das gegenwärtige Ereignis ihre Angstbilder projiziert und nicht auf das Bild ihrer ursprünglichen Absicht. Ihr Körper erzeugt dann Aktionen, die ihre Verwirrung widerspiegeln, indem er auf die mentalen Bilder und Gedanken reagiert. Anders ausgedrückt, müssen der magische Weg und der so genannt rationale Weg auf eine bestimmte Weise miteinander kombiniert werden, um die besten Resultate zu erhalten. Manchmal schreiben euch Leute und erzählen von ihrer Absicht, Geld zu machen – oder vielmehr: es zu besitzen. Sie sagen, sie konzentrierten sich auf Geld und warteten dann in vollstem Glauben darauf, dass es wegen ihres Glaubenssatzes und ihrer Konzentration von ihnen angezogen würde. Sie machen vielleicht zum Beispiel die Kraftpunktübung.2 Vielleicht haben sie aber auch ihre Arbeitsstelle gekündigt, ihre Impulse ignoriert, eine neue Stelle zu finden oder irgendwelche vernünftigen Methoden anzuwenden und verlassen sich, sagen wir, alleine auf den magischen Weg. Aber das funktioniert natürlich auch nicht.

Wenn Ruburt den magischen Weg nutzt, und wenn auch du ihn nutzt, dann werdet ihr sehen, dass er sich perfekt in den Rest der Existenz integriert, den Intellekt inspiriert, physische Bewegung inspiriert – denn er aktiviert physische Fähigkeiten. Ich werde fortfahren, die Arten zu beschreiben, in denen die beiden Wege zusammen arbeiten. Was ich aber besonders betonen möchte, ist der Umstand, dass eure persönliche Kraftquelle ein Teil jenes größeren Feldes von Wechselbeziehungen ist, in welchem euer Sein sicher aufgehoben ist. Sie ist nichts, wofür ihr euch anstrengen müsst. Sie gehörte euch bei eurer Geburt mühelos und auch davor, und sie trägt in sich ihr eigenes emotionales und intuitives Verstehen – ein Verstehen, das euch wirklich während eurer ganzen physischen Existenz unterstützen kann. Wenn ihr das begreift, dann werden zu einem großen Maß viele eurer Ängste zugleich verschwinden.

(Jetzt beantwortete Seth zu meiner Überraschung ein oder zwei Fragen, die ich Jane früher am Tag über Sue Watkins gestellt hatte – Material, das ich für meine Chronologie für Träume brauchen konnte. Sue hatte mir kürzlich ein paar Informationen gegeben, und meine jüngsten Fragen waren diesbezügliche Vertiefungen.)

Tam traf die Entscheidung mehrere Male, aber schon früh beschloss er, dass das Buch (Sues „Im Dialog mit Seth“) auch Illustrationen enthalten sollte. George [Rhoads] nahm keinen Einfluss auf die Anordnung. Es scheint nicht nötig, näher darauf einzugehen. Wenn du möchtest, werde ich das aber tun.

(„Okay“, sagte ich. Ich meinte eigentlich, dass es nicht nötig sei, tiefer darauf einzugehen, aber Seth verstand meine Antwort offensichtlich falsch, indem er meinte, ich wolle eine Vertiefung:)

Tam wollte für ein erstes Buch Illustrationen. Als er von Georges Skizzen las, dachte er sogleich an Illustrationen. Sue wollte George natürlich einen Gefallen tun, um sich für andere Dinge zu revanchieren. Für Georges Situation gab es noch andere Wahrscheinlichkeiten, so dass die Geschichte wenigstens den Gedanken eröffnete, dass George für Prentice auch noch andere Arbeiten machen könnte, wenn er Geld brauchte. Das verlieh ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Das ist alles für heute Abend. Ich wünsche euch nochmals einen magischen und guten Abend – und denkt daran, auf allen euren Existenzebenen nach Hinweisen und Spuren zu suchen.

(„Danke, Seth. Gute Nacht.“

(22.08 Uhr. Auch wenn dies eine kürzere Sitzung gewesen war, so war Janes Durchgabe dennoch intensiv und eindringlich gewesen. Eine gute Sitzung, sagte ich ihr. Natürlich tippe ich das hier bereits am folgenden Abend. Heute schickte ich Sue eine Kopie einer Seite mit Material, das Seth vor kurzem über den Intellekt durchgegeben hatte, und dazu einen Liste mit Fragen über George, über den Seth weiter oben gesprochen hat. Ich erwarte, dass ihre Antworten mit denen von Seth übereinstimmen werden.

(Jane verbrachte heute mehr Zeit als sonst im Bett, indem sie sich zwischen ihren Arbeitsphasen immer wieder hinlegte.)