Maurizio Vogrig

Die frühen Sitzungen, Band 4

Maurizio Vogrig
Die frühen Sitzungen, Band 4
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Gedruckt und als E-Book online exklusiv erhältlich bei Amazon

In den Sitzungen von Band 4 nimmt das Thema Träume einen prominenten Platz ein. Hier erläutert Seth das Verhältnis Traumrealität - physische Realität und deren gegenseitiges Wechselspiel.

Die Unterschiede zwischen Kinderträumen und Träumen von Erwachsenen werden von Seth beschrieben, wobei er die Traumebene auch als Entfaltungsraum verdrängter Aktionen darstellt.

Zudem besticht Seth in Band 4 durch die anschauliche Darstellung des Themas Krankheit - Gesundheit und der Bedeutung der Selbstsuggestion bei Heilungen oder Mangelerscheinungen. Jane Roberts' Tranceverhalten verändert sich zusehends, was aufgrund Robert Butts' genauer Notizen ebenso interessant zu verfolgen ist.
 

LESEPROBE

SITZUNG 187, 13. SEPTEMBER 1965, 21:00 UHR, MONTAG, WIE GEPLANT

FREIHEITEN UND FÄHIGKEITEN IM TRAUMZUSTAND; TRÄUME ALS BASIS DES PHYSISCHEN UMFELDES; DIE ELEKTRISCHE UND CHEMISCHE REALITÄT VON SUGGESTIONEN; HYPOPHYSE UND SCHILDDRÜSE

(Während ich am letzten Donnerstag, den 9. September, an der Arbeit war, hatte ich um 11:00 Uhr eine ähnliche Vision wie in Sitzung 183 beschrieben. Dieses Mal sah ich, während ich mich über mein Pult beugte, mit meinem inneren Auge eine offene, rostige Sardinendose, die auf einem abgenutzten, hölzernen Regal lag. Die Farben waren sehr lebendig, die Details kristallklar. Ich sah aber nur kurz die Rostflecken deutlich auf der Dose und die Fasern des Holzes. Die Szene wurde von links her von starkem Sonnenlicht erhellt, so dass die einfache Dose lange Schatten nach rechts warf.

(Früher am Tag hatte ich den 7. Umschlag für die heutige Sitzung vorbereitet. Dieses Mal suchte ich das Negativ eines Fotos aus, das ich während unseres Urlaubs 1964 in York Beach, Maine, gemacht hatte. Das Objekt auf dem Foto war das Driftwood Hotel, nur einen Steinwurf vom Strand entfernt. Dieser Ort hat eine starke emotionale Bedeutung für Jane und mich. Zur Erinnerung: Es war im Dancing des Driftwood Hotels gewesen, als Jane und ich die Persönlichkeitsfragmente sahen, die wir während unseres Urlaubs von 1963 selbst erschaffen hatten. Siehe die 9. Sitzung in Band 1. Wir hatten dieses Erlebnis mehrere Monate bevor die Sitzungen begannen. Siehe die Skizze des Negativs in diesem Band 4.

(Bill und Peggy Gallagher waren heute Abend zu Besuch und die Sitzung wurde in unserem großen Vorderzimmer abgehalten. Der Verkehrslärm war kein Problem, da die Fenster wegen der kühlen Nacht geschlossen waren. Jane begann zu sprechen, während sie in ihrem bevorzugten Schaukelstuhl saß. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Stimme war gut, aber nicht laut, ihr Tempo ein wenig schnell. Sie machte nur wenige Pausen und saß meistens nach vorne gelehnt, mit vor sich gefalteten Händen und leicht gebeugtem Kopf. Sie begann um 20:59 Uhr zu sprechen.)

Guten Abend.

(„Guten Abend, Seth.“)

Mein herzlichstes Willkommen an unsere beiden lieben Freunde, den Jesuiten und die Katzenfreundin.

Ich werde heute Abend über unsere Traumrealität sprechen, obwohl ich früher unseren Gästen versprochen hatte, dass wir über das Gotteskonzept diskutieren würden. Wir haben jedoch wertvolle Zeit gebraucht, um unseren Ruburt wieder in Form zu bringen und so sind wir etwas in Verzug.

Ich freue mich, dass er meinen Vorschlägen gefolgt ist. Und ich hoffe, dass auch unser Jesuit jenen Instruktionen gefolgt ist, die ich ihm gegeben habe. Wir werden hier die Traumrealität als etwas Isoliertes betrachten, so als ob es etwas von unserem normalen Bewusstsein Abgetrenntes wäre, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Joseph, du musst es mir sagen, wenn und ob ich zu schnell spreche.

(„Ja.“

(Janes Akzent, den man irgendwie irisch nennen könnte, war nun ziemlich offensichtlich.)

Ich sprach in einer früheren Sitzung über die Verbindung zwischen Distanz und Emotionen. Die wirkliche Realität der Distanz, wie ihr sie kennt, hängt von der Intensität der Emotion ab und hat nichts mit eurer Vorstellung von Raum zu tun. Die Emotion, die intensiv ist, wird auf ihrem Höhepunkt als Gegenwart im Sinne von Zeit empfunden und unmittelbar hier im Sinne von Distanz.

Emotionen nehmen eine bestimmte Menge dessen ein, was wir innerhalb des Bewusstseins der Persönlichkeit psychischen Raum nennen. Wenn sich die Intensität der Emotion abschwächt, scheint es euch, als ob sie in der Zeit zurückginge. Aber das ist eine durch die Begrenzungen eurer äußeren Sinne verursachte Illusion. Nun. Im Traumzustand werden die äußeren Sinne zu einem großen Grad in ihrer Aktivität zurückgehalten. Daher repräsentiert der Traumzustand die tatsächliche Natur der Zeit viel deutlicher. Intensive Emotionen innerhalb des Traumzustandes werden als Gegenwart erlebt und die Persönlichkeit bewegt sich leicht durch diese emotionalen Intensitäten, ohne das Gefühl vergehender Zeit zu erleben, obwohl jeglicher Traum in sich selbst auch sein eigenes Zeitelement enthalten kann.

Der Träumende ist sich des tatsächlichen Vergehens physikalischer Stunden nicht bewusst. Er ist sich nur des inneren Zeitelementes bewusst, wie es innerhalb des Bezugssystems seines Traums erscheint. Die Persönlichkeit wird sich auf eine Art und Weise benehmen, die als ganz normal betrachtet würde, wenn sie im Wachzustand wäre. Sie handelt, spricht, geht, redet, zieht gewisse Schlüsse. Sie reagiert auf innere Stimuli. Die Persönlichkeit benimmt sich jedoch im Traumzustand auch auf eine Weise, die im Wachzustand nicht als normal betrachtet würde. Sie reist in Momenten durch den Raum. Sie spricht mit jenen, die nicht innerhalb der physischen Realität existieren. Sie sieht ihre Eltern, die auf physische Weise gestorben sind, und bei vielen Gelegenheiten erkennt sie in ihren Träumen, was andere Persönlichkeiten im Rahmen des Traumkontextes denken.

(Jane lächelte und machte zur Betonung eine Pause.)

Ihr seht also, dass die Persönlichkeit im Traumzustand auf eine mehr oder weniger normale Art handeln kann, während sie aber gleichzeitig auch auf eine Art handeln kann, die ihr in Zeiten des so genannten normalen Bewusstseins verwehrt ist. Sie hat im Traumzustand Freiheiten und Fähigkeiten und Talente, mit denen ihr waches Selbst unvertraut ist.

Es scheint, als ob die Wachpersönlichkeit viel von ihrem schlafenden Pendant lernen könnte, was auch tatsächlich der Fall ist. Theoretisch gesagt, und wirklich nur in der Theorie, kann alles, was eine Persönlichkeit im Schlafzustand tun oder vollbringen kann, auch im Wachzustand getan und vollbracht werden. Die Einschränkungen wurden vom Ego gemacht und in vielen Fällen aus guten Gründen.

Die Einschränkungen können jedoch vermindert werden und die Wachpersönlichkeit kann über viele der vom schlafenden Selbst gezeigten Charakteristika verfügen.

Ich schlage eure Pause vor und wir werden nachher fortfahren.

(Pause um 21:20 Uhr. Jane war in der für die erste Durchgabe üblichen Trance. Ihre Augen waren geschlossen geblieben. Ihr Tempo war mit der Zeit schneller geworden und bei der Pause war ihre Durchgabe schnell und geschäftsmäßig.

(Bill Gallagher äußerte den Gedanken, dass während der Durchgabe immer eine Veränderung in Janes Gesicht stattfinde, dass er sie aber nicht bestimmen könne. Er sagte, er habe dies schon bei der ersten Sitzung, an der er und Peggy teilnahmen, der 158., festgestellt.

(Jane fuhr um 21:33 Uhr fort, sitzend und mit geschlossenen Augen. Ihr irischer Akzent war wieder feststellbar, ihre Stimme gut, ihr Tempo schnell.)

Die schlafende Persönlichkeit ist so nahe beim inneren Selbst, wie sie in dieser Existenz kommen kann, denn hier ist die Persönlichkeit frei von allen Camouflage-Umständen, mit denen sie im Wachzustand zu tun hat.

Im schlafenden Zustand sehen wir die Persönlichkeit im Einsatz. Wir sehen ihre Fähigkeiten und ihre Beschränkungen. Unser Freund, der Jesuit, täte gut daran, unser Traummaterial zu lesen, denn Träume sind eine Spiegelung der Bedürfnisse und Fähigkeiten einer Persönlichkeit. Der Fokus der Aufmerksamkeit und der Konzentration ist im Traumzustand tausendmal vergrößert, und Träume bilden die Grundlage für euer physikalisches Umfeld.

Zuerst werden Probleme innerhalb des Traum-Bezugssystems bearbeitet. Antworten und Lösungen werden gefunden. Diese Antworten und Lösungen werden dann in physische Realität umgesetzt. Kein Traum ist bedeutungslos. Keinem Traum fehlt ein Zweck. Jeder Traum hat für alle Ebenen der Persönlichkeit eine Bedeutung, und ein Traumobjekt ist ein Symbol, das von allen Schichten des Selbst in eine Mathematik übersetzt wird, die viel komplizierter ist als jede, mit denen sich eure stofflichen Computer beschäftigen.

Wie wir in der Vergangenheit gesagt haben, kann der Traumzustand in der Tat in viel wirkungsvollerer Weise zu eurem Vorteil arbeiten, wenn vor dem Einschlafen richtige Suggestionen eingegeben werden. Der Traumstoff selbst, das Traumdrama, wird aus vielen Fäden gewoben und alle Aspekte der Persönlichkeit tragen einige der Bestandteile dazu bei.

Ein Traum befähigt das Ego, dringende, unmittelbare Probleme zu lösen. Das Traumdrama befähigt die Persönlichkeit, verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen, die als Realität erlebt werden. Auf das wirkungsvollste Drama wird dann in der physischen Realität reagiert.

Dieser gleiche Traum wird sich jedoch auch mit vielen anderen Wirklichkeiten beschäftigen. Er wird als Kommunikationsmethode zwischen den verschiedenen Teilen des Selbst dienen. Er wird Informationen in Bezug auf Vergangenheit und Zukunft liefern, und wenn ihm die richtigen Suggestionen gegeben werden, wird das Selbst dann das Traumdrama vor allem brauchen, um den Gesamtzustand der Persönlichkeit zu verbessern.

Es gibt chemische und elektrische Verbindungen, die hier nicht ignoriert werden dürfen, denn ein Traum hat eine chemische und eine elektrische Realität. Er wird auf einer Ebene aus chemischen Komponenten zusammengesetzt, die eine elektrische Basis haben, und durch diese Verbindung kann eine Umwandlung innerhalb der Nervenstruktur des physischen Organismus verursacht werden.

Die Hypophyse ist hier von großer Wichtigkeit und die Schilddrüse von zweitrangiger Wichtigkeit. Negative elektrische Ladungen sind hauptsächlich für die Dauerhaftigkeit eines jeden Traums verantwortlich. Der Geist, wie ihr wisst, erscheint nicht innerhalb der physikalischen Realität, obwohl das Gehirn in der Tat einen physischen Ursprung hat.

Unsere Träume nehmen daher den gleichen Raum ein wie derjenige, der vom Geist eingenommen wird – nämlich überhaupt keinen. Es muss aber immer noch eine Verbindung mit dem physischen Organismus geben, und hier kommen unsere chemischen und elektrischen Komponenten auf den Plan. Jeder Traum wird tatsächlich durch eine chemische Synthese erbaut, die starken elektrischen Pfaden folgt.

Ihr erinnert euch, dass alle Erfahrungen eine elektrische Realität haben, die von Geburt an in die physischen Zellen des Körpers eingebettet ist, so dass wir beim physischen Tod ein elektrisches Pendant des physischen Wesens haben, mit allen intakten Erinnerungen und Erfahrungen. Wenn solche Erfahrungen ein Teil des physischen Selbst und von ihm abhängig wären, könnte die Persönlichkeit kaum den physischen Tod überleben. Und wenn Träume so mit dem physischen Selbst verbunden wären, würden sich beim physischen Auslöschen ganze Bereiche der Persönlichkeit auflösen.

Nun sind aber diese Träume, da sie eine elektrische Realität haben, in kodierter Form mit allen anderen Erfahrungen innerhalb der physischen Zellen deponiert, aber von ihnen unabhängig. Traumerfahrung ist so real für die Persönlichkeit wie wache Erfahrung. Nur das Ego macht einen Unterschied. Daher macht die überlebende Persönlichkeit für sich selbst keinen Unterschied.

Ich schlage eure Pause vor und wir werden nachher fortfahren. Es ist schön, so freundliche Gäste zu haben. Ich bin es nicht überdrüssig, mit Joseph zu sprechen, aber es ist gut, ein Publikum zu haben, vor allem wenn einer davon im Geiste ein Jesuit ist, obwohl ich annehme, dass er gewissen jesuitischen Regeln nicht folgt.

([Bill G.:] „Du bist ein sehr interessanter Redner, Seth.“)

Ich gebe mir Mühe.

(Pause um 21:57 Uhr. Jane sagte, sie sei in einer ziemlich guten Trance gewesen. Ihre Augen waren geschlossen geblieben. Ihr Tempo war schnell gewesen, ihre Stimme gut, mit mehr als nur einem Anflug des irischen Akzents.

(Bill Gallagher sagte, er habe den Eindruck, dass Jane, wenn sie als Jane spreche, ihre Gesichtsmuskeln nicht gleich bewege wie als Seth. Seth forme seine Worte sorgfältiger und deutlicher, sagte Bill, und das sähe man auch.

(Jane fuhr in der gleichen Art, wiederum mit geschlossenen Augen, um 22:11 Uhr fort.)

Wir haben das schon oft gesagt. Suggestionen sollten jedoch immer vor dem Einschlafen gegeben werden, damit das Unterbewusstsein die organische Integrität des physischen Organismus aufrechterhält. Das ist grundlegend.

Suggestionen sollten auch gegeben werden, damit eine harmonische Beziehung zwischen allen Ebenen der Persönlichkeitsstruktur aufrechterhalten werden kann. Suggestionen sollten gegeben werden, damit konstruktive Neigungen freie Bahn erhalten. Und vielleicht noch wichtiger: Suggestionen sollten gegeben werden, damit nur auf konstruktive Suggestionen reagiert wird. Diese Suggestionen geben euch genügend Spielraum.

(Jane machte nun eine Pause und lächelte. Ihre Augen öffneten sich. Sie schaute Bill Gallagher an.)

Ich freue mich, denn ich habe Ruburts Augen schon vorher geöffnet und unser Jesuit hat es verpasst. Wenn ich ihm eins auswischen kann, dann mache ich es wirklich gut.

(Ich hatte es natürlich auch verpasst. Meine Augen sind meist gesenkt, wenn ich schreibe, obwohl ich es mir angewöhnt habe, bei jedem Satz Jane routinemäßig kurz anzuschauen.

(Janes Augen waren sehr dunkel und spiegelten kein Licht. Sie schaute uns alle drei beiläufig an.)

Diese einfachen Suggestionen werden mithelfen, die Persönlichkeit vor vielen unglücklichen Umständen zu beschützen und wenn sie jede Nacht gegeben werden, können sie als angemessener Schutz gegen organische Beschwerden, wie zum Beispiel Magengeschwüre, dienen.

(Jane lächelte breit und zeigte auf Bill.)

Ein Mann, der ein Geschwür hat, Joseph, denkt anders als ein Mann, der kein Geschwür hat. Solche vorgeschlagenen Suggestionen werden ähnliche Probleme im Hintergrund halten.

Solche Suggestionen werden dazu dienen, die Integrität des physischen Organismus zu beschützen, denn diese Suggestionen haben auch eine elektrische und eine chemische Realität, so wie deine Angst vor Katzen auch eine chemische und eine elektrische Realität hat, die dich zwingt, innerhalb dieses Bezugssystems zu agieren.

(Jane sprach nun zu Peggy.)

Du hast das Bezugssystem erschaffen und du kannst das Bezugssystem wieder entfernen, so wie er ein Bezugssystem erschaffen hat, in dem ein Geschwür eine Realität haben kann.

(Unser Kater Willy war vor Janes Stuhl gesessen. Wie auf ein Stichwort stand Willy nun auf und lief auf Peggy zu, die nur etwa einen Meter weit entfernt saß. Er streifte ihr Bein und sie machte unwillkürlich einen Satz. Die Übereinstimmung war perfekt. Wir lachten alle.)

Das finde ich wirklich lustig.

Da Suggestionen eine elektrische und eine chemische Realität haben, können sie das Bezugssystem, in dem sie wirken, verändern. Theoretisch gibt es keine Einschränkungen dessen, was jeder von euch tun kann. Praktisch sind die Einschränkungen nur eure eigenen und es ist daher praktisch in eurer Hand, sie zu verändern oder nicht zu verändern.

Da Suggestionen aus dem gleichen Stoff geformt sind, wie jener, der auch eure physische Realität formt, können Suggestionen in der Tat das Bezugssystem verändern, in dem ihr wirkt. Das ist kein schönfärberischer Quatsch. Viele der Wege und Möglichkeiten wurden aufgezeigt. Meine Suggestionen, wenn ihnen gefolgt wird, werden für die Gültigkeit unseres Materials Beweis genug sein.

Hast du heute Abend einen Test für mich? . . .