Maurizio Vogrig

Zeitzeugnis: Brad Steiger im Gespräch mit Jane Roberts

Maurizio Vogrig
Zeitzeugnis: Brad Steiger im Gespräch mit Jane Roberts
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Jane Roberts, obwohl nicht direkt Menschenscheu, war dennoch keine sehr öffentliche Person. Sie war nur einige wenige Male im Radio zu hören, wobei sie selbst nicht im Studio anwesend war, sondern von ihrer Wohnung oder ihrem Haus in Elmira mit den Moderatoren und Hörern sprach. Im Fernsehen trat sie ein einziges Mal auf, und bedauerlicherweise gibt es von diesem Auftritt, während dem sie auch für Seth sprach, keine Aufzeichnungen, sodass hier alleine Robert F. Butts‘ Beschreibung im Seth-Buch TRÄUME UND BEWUSSTSEINSPROJEKTIONEN genügen muss. Auch Zeitungsinterviews mit Jane Roberts waren rar. Wir freuen uns daher umso mehr, eine weitere dieser seltenen Reportagen über Jane Roberts im Seth-Verlag für unsere Leser veröffentlichen zu können. Original erschienen Artikel und Interview bereits 1985 im TRUE PSYCHIC INQUIRER, einer Zeitschrift über übersinnliche Phänomene, die vom Forscher des Paranormalen und Autor Brad Steiger publiziert wurde. Brad selbst hat sich am 6. Mai 2018 im Alter von 82 Jahren auf die Reise zur nächsten Ebene gemacht. Wir wünschen ihm alles Gute!
 


Zeitzeugnis: Brad Steiger im Gespräch mit Jane Roberts

Von Brad Steiger

Wir beim PSYCHIC INQUIRER waren betroffen, als wir vom Tod von Jane Roberts erfuhren, dem berühmten Medium, das die Wesenheit „Seth“ mittels einer Reihe von Büchern, die von Prentice-Hall verlegt wurden, weltweit bekannt gemacht hat. Obwohl wir nicht eigentlich um Janes Tod trauern können – wir wissen, dass sie ins große Mysterium eingegangen ist, über das sie so wunderbar geschrieben hat –, so bedauern wir, dass wir uns nicht länger auf weitere ihrer aufregenden und großartig geschriebenen Bücher freuen können, die so exakt die noch so entfernten Winkel des inneren Raums erforscht haben. Da wir den gleichen Verlag und den gleichen Redakteur hatten und ich zudem bei Erscheinen von SETH SPRICHT gebeten worden war, einige Worte zum Buch zu schreiben, die auf dem Umschlag abgedruckt wurden, führten Jane und ich in den frühen 1970er Jahren zahlreiche Gespräche über paranormale Themen. Im Sommer 1974 machte ich mit Jane ein ausgedehntes Interview für ein Buchprojekt, das dann aber aufgrund verschiedener Umstände nie zustande kam. Ich freue mich daher, hier eine gekürzte Version dieses Interviews im PSYCHIC INQUIRER präsentieren zu können. Vielleicht hilft es auf die eine oder andere Weise, die Erinnerung an jene große Gestalt der Geschichte der parapsychologischen Forschung am Leben zu erhalten.


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Am 9. September 1963 setzte sich Jane Roberts nach dem Abendessen wie üblich hin, um an ihren Gedichten zu arbeiten. Ihr Ehemann Robert F. Butts war im drei Zimmer entfernten Studio und malte. Jane nahm ihren Stift in die Hand, schaute auf das leere Blatt Papier vor sich und wartete darauf, dass die kreativen Säfte zu fließen beginnen würden. Sie hatte keinen Grund anzunehmen, dass sich an diesem Abend etwas Besonderes ereignen könnte.

Plötzlich aber sah sie sich inmitten der Wirren einer Erfahrung, die sie nur mit einem Trip ohne Drogen vergleichen konnte. „Von einer normalen Minute zur anderen stürzte eine fantastische Lawine radikaler, neuer Ideen in meinen Kopf, mit gewaltiger Kraft, als ob mein Schädel eine Art Empfängerstation wäre, aufgedreht auf eine unerträgliche Lautstärke“, schrieb Jane später, als sie diese Erfahrung schilderte. „Nicht nur Ideen kamen durch diesen Kanal, auch Gefühle, intensiviert und pulsierend. Ich war ein- oder ausgeschaltet – wie immer man das bezeichnen möchte – mit einer unglaublichen Energiequelle verbunden.“

Die erschrockene junge Frau hatte keine Zeit, ihren Mann zu rufen. Stattdessen begann ihr Stift in fieberhafter Eile das Blatt vor ihr mit zahlreichen Gedanken und Gefühlen zu füllen, die durch ihr Sein strömten. Bewusstsein und Realität waren völlig abgewandt, und die Offenbarungen, die sie erhielt, schienen von ihrem Körper Besitz zu ergreifen und sich für immer in ihr festzusetzen. Fühlen und Wissen wurden zu ein und derselben Sache und die Wichtigkeit intellektuellen Wissens verblasste vor dem machtvollen Gefühl der Weisheit, die jenseits der Kraft der Vernunft zu fassen war.

Während all dies geschah, schien sich ein kleiner Teil von Jane daran zu erinnern, dass dies die gleiche Erfahrung war, die sie die Nacht zuvor in einem Traum gemacht, aber wieder vergessen hatte. Irgendwie waren die beiden Ereignisse miteinander verbunden.

Als Zeit und Raum wieder zu den gewohnten Begrenzungen ihrer Welt wurden, sah Jane, wie sie dem Wortschwall, der ihr Blatt überschwemmt hatte, einen Titel gegeben hatte: DAS PHYSISCHE UNIVERSUM ALS GEDANKENKONSTRUKTION. Der Titel passte zwar zu den hastig niedergekritzelten Notizen, aber nichts in diesem Material passte zu Janes früheren Überzeugungen über das Leben und die menschliche Psyche. Diese offenbarungsartige Erfahrung brachte Jane völlig durcheinander und führte schließlich zu einer Reihe dramatischer Geschehnisse, die ihr Leben für immer verändern sollten.

In DAS SETH-MATERIAL, eine Darstellung der Geburt und Entwicklung des Seth-Phänomens, beschreibt Jane, was als nächstes geschah:

„Ich fühlte mich, als ob ich zitternd ganz vorn auf einem hohen Sprungbrett stand und versuchte, mich dazu zu bringen zu springen, während ein ganzer Haufen Leute ungeduldig hinter mir warteten. Tatsächlich waren es dann die Worte, die mich vorwärts schubsten – sie schienen durch meinen Verstand zu rasen. Auf eine verrückte Art hatte ich das Gefühl, als ob sie sich in mir anstauten, Haufen von Nomen und Verben, und sie alles andere aussperrten, falls ich sie nicht aussprechen würde. Und ohne wirklich zu wissen, wie oder warum, öffnete ich meinen Mund und ließ sie heraus.“

In den folgenden Jahren des Kontaktes mit Seth sollten sich noch viele weitere Überraschungen ereignen, aber für den Moment war der dramatischste Augenblick vorbei. Seth hatte begonnen, seine Persönlichkeit klarer auszudrücken. Damit man Seth richtig verstehen kann, muss man die Grundzüge seiner Lehre kennen. Seine Darstellung der Realität half Jane und Rob, sich vom Zeit-Raum-Kontinuum zu befreien, in welchem sie sich gefangen glaubten, und Seths Konzept der Persönlichkeit ist nicht nur faszinierend, sondern erhellt auch die Art seiner Beziehung mit Jane.

Zentral in Seths Lehre ist die Prämisse, dass die gesamte Realität durch Gedanken und Gefühle erschaffen wird. Genauer: Was eine Person denkt und fühlt erschafft ihre sie umgebende Realität. Aber dieser Prozess der Realitätserschaffung ist nicht statisch. Er ist dynamisch. Daher verändert sich die Realität konstant, woraus folgt, dass ein bewusstes Wissen dieses Prozesses jegliche Realität zum Besseren verändern kann. Der Mensch ist nicht der Gnade vergangener Geschehnisse ausgeliefert. Er kann weder seine Eltern, seine Kirche, seine Schule oder eine andere Person oder ein Ereignis dafür verantwortlich machen, „dass er so ist, wie er ist“. Unwissentlich mag er sich selbst zu einem unglücklichen Menschen gemacht haben, aber durch Bewusstheit kann er sich in eine glückliche, produktive Person verwandeln. Weil der Mensch seine eigene Realität erschafft, kann er sie verändern.

Seth hat auch eine umfangreiche Persönlichkeitstheorie entwickelt. Dabei handelt es sich um alles andere als eine Zehn-oder-weniger-Worte-Theorie. Stattdessen setzt sie an, indem sie die Hypothese angreift, die bewusste Persönlichkeit mit Namen John oder Mary oder wie auch immer sei eine einzelne Person. Vielmehr können John oder Mary Persönlichkeitsmanifestationen der gleichen Ursprungswesenheit sein, auch wenn sie gleichzeitig in der physischen Realität leben.

Es ist unmöglich, Seths Persönlichkeitskonzept auszudehnen, ohne ein bekanntes metaphysisches Konzept hinzuzuziehen, nämlich das des ewigen Jetzt oder der geräumigen Gegenwart, das sich auf eine Realität bezieht, die von den Beschränkungen der Zeit frei ist. Dieses Konzept besagt, dass es weder Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft gibt; alles existiert gleichzeitig. Zeit ist nur ein willkürliches System, das über diese dreidimensionale, physische Realität gestülpt wurde. Sie ist ein Konstrukt der Realität, das die Persönlichkeiten auf dieser Ebene erschaffen haben, aber sie sind so wenig daran gebunden, wie sie an ihre anderen Kreationen gebunden sind.

Ausgehend vom Konzept des ewigen Jetzt, kann sich ein Ursprungsselbst gleichzeitig in verschiedenen Dimensionen manifestieren. Jede Persönlichkeit handelt demgemäß im Rahmen der künstlichen Beschränkungen der Ebene, die sie bewohnt, und je nach Entwicklungsstufe ist sie sich anderer ihrer Aspekte auf anderen Ebenen bewusst.

Diese Zeit- und Persönlichkeitskonzepte sind mit dem Phänomen der Reinkarnation verflochten. Laut Seth werden alle Leben oder Inkarnationen auf einer bestimmten Ebene gleichzeitig gelebt. Dies schließt „vergangene“ Leben nicht aus, verlangt aber einen anderen Ansatz an dieses Thema. Ein Individuum, das gemäß den Gesetzen seiner bestimmten Existenzebene handelt, sieht diese Leben entweder als simultan oder passt sie in die der Ebene eigene Zeitstruktur ein. Auf dieser Ebene ist es aufgrund der Aufteilung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zweckmäßig, diese verschiedenen Inkarnationen als in die drei Zeitkategorien eingepasst wahrzunehmen.

Seths Darstellung des Geistes als Schöpfer erweitert das Persönlichkeitskonzept auf einzigartige Weise. Weil Gedanken und Gefühle die Realität erschaffen, haben auch Träume eine separate Realität. Wenn eine Person von sich selbst träumt, sieht sie ein Fragment ihrer eigenen Persönlichkeit. Aber dieses Konzept erstreckt sich auch auf einen Bereich, den Seth das wahrscheinliche Selbst nennt.

„Gemäß Seth“, erklärt Jane, „hat jeder von uns Counterparts – Gegenstücke – in anderen Realitätssystemen; keine identischen Selbst oder Zwillinge – sondern andere Selbst, die Teil unserer Wesenheit sind und die auf eine andere Weise als wir hier Konzepte entwickeln.“

Wahrscheinliche Selbst werden von Seth mit entfernten Verwandten verglichen, die uns nicht so nahestehen wie unsere Reinkarnationsselbst. Um dies zu vertiefen, behilft sich Seth der Metapher eines Tonbandes. Ein Individuum ist hierbei das Hauptband; es hat unzählige Kanäle. Jeder Kanal repräsentiert „einen Teil des Gesamtselbst, und jeder existiert in einer anderen Dimension, aber alle sind ein Teil des Gesamtselbst ... Wenn der Stereokanal eingeschaltet wird, dann erkennen die Selbst ihre Einheit. Ihre verschiedenen Realitäten verschmelzen zu den übergreifenden Wahrnehmungen des Gesamtselbst ... Schließlich muss das innere Ich aber begreifen, wie die Teile der gleichzeitigen Selbst zusammenspielen. Jeder Teil des Gesamtselbst muss sich der anderen Teile bewusst werden.“

Um dieses Konzept noch faszinierender zu machen, fügt Seth hinzu, dass ein jedes Ereignis auf verschiedene Weisen erlebt werden kann. Vom Ich eines Menschen wird es als physisches Ereignis erlebt, aber jede wahrscheinliche Möglichkeit, dieses Ereignis zu erleben, wird von anderen wahrscheinlichen Selbst erforscht, und zwar entsprechend seinem eigenen Zeitsystem. Wenn also eine Person zwischen drei möglichen Handlungsabläufen die Wahl hat, muss sie sich für einen entscheiden und diesen erleben. Die beiden anderen Möglichkeiten werden auch erlebt, aber nicht in der physischen Realität. Diese wahrscheinlichen Handlungen werden aber genauso erlebt, und „aus solchen Erlebnissen besteht die Existenz der wahrscheinlichen Selbst, geradeso wie sich die Erlebnisse des träumenden Selbst aus Traumhandlungen aufbauen“, sagt Seth. Seth behauptet zudem, dass alle Schichten des Gesamtselbst auf einer unterbewussten Ebenen konstant Informationen austauschen. In diesem Sinne ist Jane Roberts möglicherweise eine physische Manifestation der Persönlichkeit Seth; sie könnte sogar eines seiner wahrscheinlichen Selbst sein. Sie könnte aber auch ein Teil eines völlig anderen Gesamtselbst sein, getrennt vom Gesamtselbst, von welchem Seth ein Teil ist. Jane ist sich all dieser Möglichkeiten bewusst und sucht beständig nach weiteren. Sie versucht unaufhörlich, ihre Beziehung mit Seth und die Art dieses Kontaktes besser zu verstehen.

Es ist schwierig, Jane Roberts in eine Kategorie einzuordnen, denn sie selbst verweigert sich allen Versuchen, sowohl ihre Trancefähigkeiten als auch das Seth-Phänomen auf die alte, traditionelle Art und Weise zu analysieren. Vielleicht hat sie aber auch Recht damit, denn das Material, das Seth durch sie übermittelt, ist von überaus hoher Qualität, die nur selten bei eher traditionellen Beispielen von Medien und Geistführern beobachtet werden kann. Es wird faszinierend sein zu sehen, wie sich das Material in den kommenden Jahren entwickeln wird.


Brad: Jane, du bist mehr oder weniger freiwillig zu einem Medium geworden. Als was siehst du dich heute? Bist du eine Schriftstellerin mit irgendeinem "Anhang"? Bist du ein Channel, ein Medium? Wie hat sich dein Leben verändert, seit Seth zum Vorschein getreten ist?

Jane: Ich fürchte, ich kann dir keine einfache Antwort geben. Am Anfang war ich sehr neugierig, überrascht und schockiert, wie man in einigen meiner Texte sehen kann. Ich brauchte eine Weile um zu erkennen, dass all dies aufs Höchste mit Kreativität zu tun hatte. Heute versuche ich mich einfach als eine Person zu sehen, die diese verschiedenen Fähigkeiten hat.

Brad: Glaubst du, dass die heutigen Forscher der Psychologie mit ihren Untersuchungen auf dem richtigen Weg sind?

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Jane: Sagen wir es so: Ich glaube, sie tun es ausgehend von ihren Überzeugungen auf die für sie einzig mögliche Art und Weise.

Für mich ist die wichtigste Aussage des Seth-Materials, dass wir unsere eigene Realität erschaffen. Wenn ich etwa eine Organisation hätte, dann wäre wohl die großartigste Sache, um den Menschen zu helfen, wenn ich ihnen zeigen würde, wie ihre Gedanken und Gefühle die Welt, ihr alltägliches Familienleben und das Land erschaffen. Ich glaube, das wäre das Befreiendste, was überhaupt irgendjemand tun könnte. Es würde die Menschen von allen anderen Dingen befreien und wäre weit wichtiger als irgendeinem Wissenschaftler zu beweisen, dass es außerkörperliche Erfahrungen tatsächlich gibt.

Brad: Während Jahrhunderten haben die Menschen negative Realitäten erzeugt. Es ist an der Zeit, positive Realitäten zu erschaffen.

Jane: Genau. Seth spricht sogar darüber, wie Gefühle das Wetter verursachen. Nehmen wir mal an, man hat ein bestimmtes Gefühl und bestimmte hormonelle Veränderungen im Körper. Dann strömen gewisse Chemikalien in die Luft, und die Gefühle werden so zu einem Bestandteil der Atmosphäre. Die Atmosphäre wird en masse durch ein chemisches Geben und Nehmen zwischen uns und dem, was wir als Raum bezeichnen würden, erschaffen. Es entstehen Anhäufungen, und zwischen dem erschaffenen Äußeren und den inneren emotionalen Stürmen wird ein Gleichgewicht aufrechterhalten. So könnte es zum Beispiel ein Volk mit einem starken Rassismusproblem geben. Es könnte zu einem Volksaufstand kommen, aber stattdessen könnte sich auch eine Flut ereignen.

Das ist der zentrale Gedanke des Seth-Materials, und für mich ist es der wichtigste Teil. Er befreit das Individuum.

Brad: Das ist für dich wichtiger, als ein Glas dazuzubringen, über einen Tisch zu gleiten?

Jane: Ja.

Brad: Du bist ein kreativer Mensch. Wie gehst du damit um, dass sich jemand in deinem Geist breitgemacht hat, deinen Körper benutzt und schon wieder ein eigenes Buch geschrieben hat?

Jane: Nun ja, ich sehe das anders.

Brad: Glaubst du, dass du physisch oder emotionell ausgesaugt wirst, etwa wie Fletcher das mit dem Medium Arthur Ford gemacht hat?

Jane: Ich glaube, es ist einfach so, wie es die jeweilige Person betrachtet. Bei Ford waren es vielleicht seine Vorstellungen über Fletcher, welche den Energieabfluss verursachten.

Brad: Einige Geistführer scheinen zu ignorieren, wie sich ein Medium fühlt, aber Seth ist sehr um dein physisches Wohl besorgt, nicht wahr?

Jane: Ja, aber auch hier glaube ich, dass das so ist, weil ich die Sache mit anderen Augen betrachte. Ich fühle mich nach einer Sitzung zum Beispiel erfrischt, und ich könnte eine Sitzung unendlich lange andauern lassen. Aber auch hier glaube ich, dies hat damit zu tun, dass ich mir nicht missbraucht vorkomme.

Ich glaube, meine Fähigkeiten als Schriftstellerin sind äußerst wichtig. Ohne sie könnte Seth es nichts o gut machen wie er es macht. Darum arbeiten wir so gut zusammen.

Brad: Er benutzt dich also als Werkzeug? Ist er vielleicht verbal nicht so begabt oder kann er die Botschaften nicht allein durchbringen?

Jane: Nein. In erster Linie glaube ich, dass diese Persönlichkeiten auf einer Ebene existieren, wo es bedeutungslos ist zu sagen, sie seien verbal begabt. Ich glaube nicht, dass sie Worte gebrauchen. Ich glaube, sie arbeiten mit Konzepten, die wir übersetzen, und sie können automatisch übersetzt werden, indem ich all meine kreativen Fähigkeiten nutze, über die ich auf einer unbewussten Ebene verfüge. Dies allerdings als Reaktion auf etwas, das ursprünglich nicht verbal war. Ich glaube, was wir als Kreativität betrachten, ist nur das Endstück einer fantastischen Sache, und ich habe mich auf was immer diese Sache ist eingestimmt.

Brad: Das Zusammenspiel ist aber interessant, denn Seth hat sich keine ungebildete Person ausgesucht um durchzukommen.

Jane: Nun, sagen wir so: Mit der Post bekomme ich haufenweise Material, das automatisches Schreiben sein soll, in Wirklichkeit aber nur Mist ist. Ich habe von einer Frau Briefe bekommen, die glaubt, mit Sokrates in Kontakt zu stehen, aber ein neunjähriges Kind könnte es besser machen. Es ist nur Müll. Aber ich glaube, dass jeder Mensch auf die eine oder andere Weise versucht, sich in dieses offenbarende Wissen einzuklinken. Ich glaube, dass man es je nach Begabung interpretieren kann, aber das hängt zu einem großen Teil von einem selbst ab.

Für mich heißt das noch immer, dass diese Fähigkeit in mir war und ich es einfach nicht wusste. Ich glaube, diese Art Erfahrung ermöglicht es einem Menschen, seine Fähigkeiten zu entwickeln, wenn er es richtig anstellt.

Brad: Was glaubst du, müsste man in unserem Bildungssystem am dringendsten verändern, um eine positivere Einstellung zu fördern?

Jane: Da gilt ebenfalls, was ich vorhergesagt habe: Man sollte den Kindern beibringen, dass sie ihre Realität selbst erschaffen, und das machen sie ja wirklich sehr gut.

Brad: Kinder wissen das intuitiv, nicht wahr?

Jane: Richtig. Aber man sagt ihnen: „Nein, nicht du machst sie, sondern dieses oder jenes Element.“ Oder man sagt ihnen – insbesondere in religiösen Kreisen –, sie seien mit der Erbsünde geboren und darum von Anfang an schlecht. Man sagt ihnen, sie dürfen ihre Vorstellungskraft nicht gebrauchen, sodass das innerer Selbst zerdrückt wird. Ich finde das schrecklich und besonders falsch in Bezug auf Krankheiten. Wenn man seine Realität selbst erschafft, dann macht man sich eine gute oder schlechte Gesundheit oder was auch immer, basierend auf den eigenen Glaubenssätzen. Wenn man einem Kind sagt, dass es Krank wird, wenn ein Virus die Runde macht, dann reagiert es auf eine solche negative Suggestion.

Brad: Glaubst du wie viele andere Menschen, dass wir in eine Zeit der Veränderung eintreten? Sind wir auf der Schwelle eines spirituellen und evolutionären Sprungs nach vorne?

Jane: Ich weiß es nicht, ich hoffe es. Das ist schwierig für mich, da ich glaube, dass alle Zeit gleichzeitig ist. Daher verändert alles, was wir in der Gegenwart tun, automatisch auch die Vergangenheit und somit auch die Zukunft. Deine Frage bezieht sich also auf verschiedene Ebenen.

Brad: Nun, andere glauben auch an ein ewiges Jetzt. Aber glaubst du, dass wir uns im Rahmen unserer psychischen Zeit, während wir auf der physischen oder linearen Ebene leben, einem neuen Verständnis annähern?

Jane: Ich glaube, dass es möglich ist, ja. Aber ich glaube nicht, dass es irgendeinen Punkt gibt, an dem plötzlich alles auf der Erde heilig, gesegnet, wahrhaftig und großartig ist und dass das Bewusstsein aller Menschen plötzlich Flügel hat, und dies alles, ohne dass sich die Leute anstrengen müssten.

Brad: Glaubst du aber, dass sowohl eine Gruppenevolution als auch eine individuelle Evolution stattfindet?

Jane: Ja, ja.

Brad: Und dass es vielleicht dies ist, wenn wir sagen, dass alle Teile zur gleichen Einheit gehören?

Jane: Ja. Vielleicht ist meine Reaktion etwas übertrieben, aber die Leute reden so oberflächlich über das Wassermannzeitalter. Aber ich hoffe, dass die jungen Leute jetzt wirklich beginnen können, ihr Bewusstsein aktiv zu gebrauchen. Ich finde die ganze Idee der Friedensbewegung großartig, und auch wenn sich diese Kids große Probleme mit dem ganzen okkulten Unsinn und den Kulten schaffen, so hoffe ich doch, dass sie beginnen, nach innen zu schauen und ihr Bewusstsein zu nutzen anfangen. Trotz der Probleme mit Drogen und ähnlichen Dingen, glaube ich, dass die Kids, die jetzt in ihren Zwanzigern sind, eine große Veränderung hervorrufen werden. Das glaube ich wirklich.

Brad: Siehst du irgendwelche Gefahren, die sich für diese jungen Leute entwickeln könnten?

Jane: Nein, ich glaube nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich bei diesen Kultsachen irgendeine Gefahr sehe. Täten sie das nicht, täten sie etwas anderes. Darin unterscheide ich mich aber auch von den anderen in diesem Gebiet, was mir manchmal Schwierigkeiten bereitet, aber es macht mir nichts aus, da ich sowieso finde, dass das falsch ist. Persönlich glaube ich nicht an gute Geister, böse Geister, Teufel und all diese Dinge. Für mich ist das alles Blödsinn. Da liest man ein Buch, das einem sagt, wie man mit einem Ouija-Brett arbeitet. Außerdem sagt es, dass man aufpassen muss, weil böse Geister durch das Brett kommen könnten. Ich weiß nicht, wie viele Briefe ich von Leuten bekomme, die diese „bösen Geister“ empfangen, nur weil sie glauben, dass sie das tun werden.

Wenn eine Person während Jahren ihren Vater gehasst hat und es nicht zugeben will, dann kann ihr das Ouija-Brett plötzlich sagen: „Dein Vater wird morgen sterben“, oder: „Töte deinen Vater“ oder irgendeinen anderen Schwachsinn. Statt zu erkennen, dass es sich um einen natürlichen Hass handelt, den sie in sich vergraben hat, ohne sich das einzugestehen, liest sie ein Buch, das ihr sagt, dass es böse Geister gibt. Natürlich denkt diese Person dann, dass es ein böser Geist ist, der ihr sagt, sie soll ihren Vater töten.

Ich glaube, dass Leute, welche die Öffentlichkeit vor Ouija-Brettern und Ähnlichem warnen und sagen, dass es sich um böse Geister handelt, die von ihnen Besitz nehmen wollen, mehr Schaden anrichten, als irgendein böser Geist es jemals könnte.

Brad: Und was ist mit DER EXORZIST?

Jane: Ich habe das Buch nicht gelesen und habe es auch nicht vor. Ich nehme an, es basiert auf der Vorstellung von Besessenheit, so wie sie durch die Jahrhunderte missverstanden wurde.

Brad: Das ist eine ziemlich katholische Interpretation.

Jane: Genau. Aber schau, ich glaube, dass unsere spirituelle und biologische Natur so fantastisch ist, dass wir viel mehr sind, als wir erkennen. Bei offenbarendem Wissen, also Informationen und Wissen, die durch das normale Bewusstsein nicht kommen würden, stellt sich die Frage: „Woher kommt das alles?“ Nun, ungeachtet dessen, woher es kommt, glaube ich, dass wir jene Quelle mit unseren Vorstellungen darüber, was großartig, ehrlich, echt, gut oder was auch immer personifizieren könnten, und das wäre sehr wichtig. Sonst bekämen wir diese Informationen wahrscheinlich nicht. Wenn man aber davon ausgeht, dass dieses Wissen von einer völlig anderen Quelle stammt, von einem Geistführer außerhalb von einem selbst, dann sagt man ja, dass die Menschheit von selbst nicht zu solchen Informationen gelangen kann; es sei keine menschliche Sache; es liege nicht im Rahmen unserer Fähigkeiten und das Wissen liege auf immer außerhalb von uns. Aber das glaube ich nicht. Ich glaube, es handelt sich um Kreativität in den tiefliegenden Quellen unseres Seins, etwa in unserer Psyche oder Seele. Seth bezeichnet sich oft als Brückenpersönlichkeit. Wenn er durchkommt, dann baut er sich aus Teilen meiner und seiner eigenen Psyche auf. Aber da ist auch noch eine Verkörperung von etwas anderem, das nicht wirklich verkörpert werden kann. Der einzige Weg, dieses Etwas auszudrücken, ist die Art, in der es empfangen wird. 

Brad: Dann ist Seth also sowohl außen als auch innen?

Jane: Genau.

Brad: Es gibt also eine Ebene oder Dimension, wo es diese außerhalb von uns vorkommenden Persönlichkeiten gibt, mit denen wir in Kontakt kommen und sie berühren können?

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Jane: Ja, ich glaube nicht, dass irgendjemand den Grad dieser Äußerlichkeit oder Innerlichkeit kennt. Das ist eine der Sachen, mit denen ich mich zur Zeit befasse. Es gibt ungefähr zehn Ebenen, die ich erkennen und in die ich mich einstimmen kann und von denen ich unterschiedliche Informationen bekomme. Nun, viele vermitteln mir kreative Dinge. Sie unterscheiden sich aber alle voneinander, und in ihnen nehme ich die Dinge auf unterschiedliche Art und Weise wahr. In jeder spüre ich ein anderes inneres Gefühl, und das ist es, was ich untersuche.

Der Hauptpunkt, den ich verdeutlichen möchte, ist, dass alle Menschen diese Fähigkeiten haben, und sie können sie alle von selbst hervorbringen. Einige Menschen gehen von Medium zu Medium und hoffen, die Lösungen für ihre Probleme zu finden. Aber die einzig wirkliche Antwort ist, dass man sich selbst vertrauen muss. Je mehr man bei anderen nach der Lösung sucht und sie von ihnen erhält, desto mehr stärkt sich die andere Person auf Kosten von einem selbst auf und desto unfähiger fühlt man sich.

Brad: Glaubst du, dass es irgendetwas in deinem frühen Leben gab, das dich auf dies vorbereitet hat?

Jane: Ja, aber ich erkannte es erst nicht, als das Seth-Material begann. Schon als Kind habe ich Gedichte geschrieben, und soweit zurück, wie ich mich erinnern kann, hatte ich schon immer dieses Gefühl einer mystischen Kommunikation mit der Erde und allem um mich herum. Ich habe mich selbst aber nie als sensitiv betrachtet. Ich wusste nicht einmal, was darunter zu verstehen ist.

Brad: Anders gesagt, hast du sonst keine besonderen Sachen gemacht.

Jane: Nein. Aus heutiger Perspektive kann ich sagen, dass sehr viel von dieser inspirierten Art Dichtung Schritte hin zu dem waren, was ich jetzt tue. Manchmal arbeitete ich zwei oder drei Nächte nacheinander an einem Gedicht, während ich mich in einem veränderten Bewusstseinszustand befand. Aber ich glaubte, dass das für alle Schriftsteller und Dichter gleich wäre. Ich glaube, von jener Art Beschleunigung des Bewusstseins zu jener anderen Sache ist es nur ein kleiner Schritt.

Brad: Jemand der dieses Phänomen von einem skeptischeren Standpunkt aus betrachteten würde, könnte meinen, dass Seth nur eine Erscheinung kreativer Fähigkeiten ist und dass du wie Edgar Bergen und Charlie McCarthy bist und Seth somit nur dein Alter Ego.

Jane: Nun, ich glaube, das hängt ganz von der Definition ab, denn ich sehe Seth nicht so, wie das viele Leute tun. Ich bemühe mich sehr, das alles sehr offen zu lassen. Übrigens schreibe ich zur Zeit gerade ein Buch für Prentice-Hall, das wahrscheinlich ASPEKTPSYCHOLOGIE heißen wird.

Brad: Kannst du etwas mehr dazu sagen?

Jane: Tatsächlich hat sich die ganze Idee für das Buch aus meinen Fragen über die Eigenart von Persönlichkeiten wie Seth es eine ist entwickelt. Aus meiner Erfahrung und aus vielen Briefen, die ich erhalten habe, glaube ich, dass es klar ist, dass übersinnlichen Erfahrungen in unserem Land kein Platz eingeräumt wird. Aber die Menschen brauchen einen Rahmen, um ihre Erfahrungen erforschen zu können. Jetzt müssen sie entweder spiritistisch werden und sagen: „Ja, das sind Geistführer, die umgehen und mit mir sprechen“, oder der Psychiater sagt: „Schau, das sind nur Halluzinationen und du brauchst wirklich Hilfe.“

Das geht nun schon seit Jahrhunderten so, und es gehört zu unserer Tradition, dass wir keinen akzeptierten Rahmen haben, den die Menschen gebrauchen könnten, um die wahren Dimensionen ihrer Erfahrungen zu erklären. Ich hoffe, dass ASPEKTPSYCHOLOGIE jenen Rahmen schaffen wird, wenigstens einen solchen, in welchem Fragen gestellt werden können.

Ich habe Seth nie als Geistführer betrachtet, wie das die meisten Leute tun. Wenn ich das sage, kommt üblicherweise die Antwort: „Oh ja, er ist nur ein Teil von Ihnen.“ Aber niemand von uns weiß, was wir wirklich sind. Wir wissen nur das, was uns erzählt wurde. Ich glaube, die ganze Reichweite des Selbst umfasst so viel mehr, als wir normalerweise auf der bewussten Ebene erkennen, aber wir können es herausfinden. Ich glaube, dass wir uns durch die Dimensionen unseres Seins hindurchbewegen können.

Brad: Etiketten magst du wahrscheinlich nicht, aber wie würdest du dich beschreiben, wenn dich jemand drängen würde? Würdest du dich im Lichte dessen, was du eben gesagt hast, als Medium bezeichnen?

Jane: Ich weiß es ganz einfach nicht. Ich akzeptiere den Ausdruck, weil die Leute ihn gebrauchen. Ich glaube aber zum Beispiel, dass Seth etwas ist, das zusätzlich zu mir gehört.

Brad: Aber nicht in dem Sinne von „Seth kommt zu mir, um mich zu führen, und Seth sagt mir, welche Aktien ich kaufen soll, und Seth sagt mir, was ich heute anziehen soll.“

Jane: Es käme mir nicht im Traum in den Sinn, solche Fragen zu stellen. Und ich lasse auch nicht zu, dass meine Studenten ihn als Krücke missbrauchen.

Brad: Du forderst sie auf, sich mehr auf philosophische Fragen zu konzentrieren?

Jane: In letzter Zeit gingen einige Fragen der Studenten in Richtung von: „Ich erlebe folgende Auswirkung in meinem Leben, kannst du mir helfen, was für ein Glaubenssatz dahintersteht?“ Oder: „Was soll ich jetzt machen?“ Seth schlägt ihnen dann einen Weg oder eine Methode vor, um das alleine herauszufinden. Wenn ich also eine Bezeichnung für mich finden müsste, dann wüsste ich schon, welche ich wählen würde, aber sie würde für die Leute keinen Sinn ergeben. Die Bezeichnung ist „Sprecher.“

Brad: Wie du in SETH SPRICHT die Sprecher definierst?

Jane: Ja, und ich würde sogar soweit gehen wie Emerson den Begriff definiert. Es ist jemand, der versucht, die Geheimnisse des Universums aufzuspüren – wenn man sie denn als Geheimnisse bezeichnen möchte –, um sie auf irgendeine Art und Weise zu übersetzen.

Brad: Bereust du es manchmal, dass du dafür auserwählt wurdest? Offensichtlich gibt es hier einen Selektionsprozess, der aber zu subtil ist, als dass wir ihn völlig verstehen könnten.

Jane: Nun, nicht die „Warum-gerade-ich?“-Sache, aber am Anfang habe ich mich natürlich gefragt, was da zur Hölle passiert.

Brad: Was ist mit deinem Mann? Wie geht Rob mit der ganzen Geschichte um?

Jane: Er ist großartig, absolut fantastisch!

Brad: Glaubst du, das ist so, weil ihr schon früher zusammen wart oder weil die Geschlechterrollen umgekehrt waren?

Jane: Ja, und nicht nur das. Die Art und Weise, wie unsere Fähigkeiten zusammenarbeiten, ist wirklich verrückt. Ich glaube nicht, dass wir ohne Rob die Seth-Bücher hätten, so wie sie sind. Details lassen mich zum Beispiel die Wand hoch gehen. Die Vorstellung, dass wir alle ein Bewusstsein haben und wir die unglaublichsten Sachen damit machen können, bringt mich wirklich in Fahrt, und das war schon immer so. Ich möchte nicht behindert werden; ich möchte einfach so richtig abgehen.

Brad: Du würdest es also mühsam finden, Notizen zu machen?

Jane: Oh, das macht Rob.

Brad: Offensichtlich musste Rob schon vorher dafür offen gewesen sein, sonst wäre er verrückt geworden.

Jane: Keiner von uns hatte irgendeine Ahnung davon, sodass wir am Anfang beide sehr vorsichtig waren. Wir beobachteten meine Persönlichkeit darauf hin, ob sie okay war oder ob ich plötzlich anfangen würde, seltsame Dinge zu tun. Es gibt Leute, die mir schreiben und mich fragen, ob ich Seths Gegenwart fühle oder ob er die ganze Zeit bei mir ist. Nun ja, wenn ich ihn gesehen oder gespürt hätte, während ich andere Sachen tat, dann hätte ich damit Schluss gemacht. Ich habe so etwas nie gefördert, und tue es auch jetzt nicht.

Brad: Leute, die an deinen Sitzungen waren, sagten, sie hätten nie gesehen, wie Seth auftaucht. Sie hätten einen Moment weggeschaut, sich dann wieder umgedreht, und da war er.

Jane: Ich glaube, manche meiner Studenten haben ihn ankommen sehen. Es gibt auch Leute, die spüren, wenn er kommt. Ich glaube, es gibt verschiedene Arten von Beschleunigung, die einige Leute etwa im Sinne von Klang wahrnehmen können. Sie hören ihn zwar nicht, aber sie fühlen, wie etwas schneller wird. 

Brad: Du sagst also, dass Seth eine äußerliche Manifestation eines Aspekts deiner Persönlichkeit ist?

Jane: Nein, da hast du mich falsch verstanden. Das kann leicht geschehen, da ich selbst nicht genau weiß, was ich meine. Es ist, als ob es eine Art Beschleunigung gibt, die ich mit Seth fühle, und in verschiedenen veränderten Bewusstseinszuständen gibt es eine Art Tempo, das man nicht verbalisieren kann, aber man fühlt es. Nun, die gleiche Art Tempo könnte hinter einer beliebigen Sache stehen, die Gegenstände oder was auch immer bewegt.

Was die Sache mit Seth angeht, so erkläre ich sie mir zum jetzigen Zeitpunkt mit den Persönlichkeitsaspekten. Für das ASPEKTE-Buch – das ich übrigens in veränderten Bewusstseinszuständen schreibe – entwickle ich einige Begriffe, andere übernehme ich. Anstelle von „Wesenheit“ verwende ich zum Beispiel „Ursprungsselbst“. Der Gedanke dabei ist, dass unsere gesamte Realität außerhalb des dreidimensionalen Feldes existiert. Das versuche ich anhand von zwei Sachverhalten zu erklären: der psychischen oder geistigen Realität und Energie.

Nun, es gäbe dann andere Aspekte in anderen Arten von Realitäten, und für mich wäre Seth dann einer jener Aspekte. Ich glaube, diese Aspekte werden zu den Grundkomponenten unserer Persönlichkeiten, so wie wir sie kennen.

Nun, schon von klein an und seit ich Gedichte schreibe, habe ich immer versucht, alles zu verstehen. Ich wurde eine junge Frau, sah mich um und sagte: „Gott, was für ein Durcheinander!“ Meine frühe Poesie und Science-Fiction war extrem pessimistisch. Es sah aus, als ob überhaupt nichts irgendeinen Sinn machen würde. Wir waren unserer Vergangenheit ausgeliefert und konnten uns nicht von ihr befreien, sodass die Leute wirklich in einem schlechten Zustand waren. Ich glaube, mein Verlangen zu verstehen war so groß, dass gewisse Teile meines Bewusstseins irgendwie beschleunigt wurden, aber ich glaube, dass das Verlangen oder der Impuls sehr stark von mir ausgehen musste; davon bin ich überzeugt.

(c) Sherry Steiger, Seth-Verlag, 2018