Maurizio Vogrig

Seth oder Arzt?

Maurizio Vogrig
Seth oder Arzt?
buddha2.jpg


In der westlichen Welt leben wir in einer Gesellschaft, die voll und ganz in ein umfassendes medizinisches System, eine medizinische Industrie eingebettet ist. Das ganze Jahr über werden wir Tag für Tag über Zeitung, Radio, Internet und TV mit Suggestionen bombardiert, die in der Regel nicht darauf angelegt sind, unser Körperabwehrsystem zu stärken. Vielmehr wird uns gesagt, dass unser Körper so schwach und anfällig ist, dass wir ihn konstant mit irgendwelchen Mitteln gegen Krankheitserreger, Allergien usw. schützen müssen.

Wir kommen in diesem System zur Welt und werden von frühester Kindheit an darauf trainiert, selbst in eine völlige Abhängigkeit des medizinischen Systems zu geraten. In der Folge müssen wir auch regelmäßig Beiträge in eine "Krankenkasse" und nicht in eine "Gesundheitskasse" einzahlen.

Hinter diesem System steckt keine böse Absicht, sondern die feste Überzeugung, dass der menschliche Körper ein anfälliges, schwaches Gebilde ist, das konstant überwacht und mit Medikamenten, Vitaminen und Therapien versorgt werden muss, damit er lebens- und leistungsfähig bleibt.

In diesem Umfeld ist es nicht immer ganz einfach, Seths "Du erschaffst deine eigene Realität" auf sich selbst zu beziehen, denn die meisten von uns sind ja zum einen oder anderen Grad in unser medizinisches System eingebunden, auch wenn man sich hierbei vielleicht ausschließlich auf die sogenannte Alternativmedizin verlässt, denn letztlich ist auch sie eine Stütze für einen von Natur aus vermeintlich anfälligen Körper.

In dieser Situation ist es wohl am besten, nach dem Motto "Das eine tun und das andere nicht lassen" zu handeln, denn wir wurden ja nicht zufällig in eine Gesellschaft geboren, die ein so ausgeklügeltes Krankheits- bzw. Gesundheitssystem aufgebaut hat. Wir haben uns dafür entschieden, in diesem Umfeld zu leben und Erfahrungen zu sammeln.

Und es ist auch kein Zufall, dass wir zum einen oder anderen Zeitpunkt im Leben auf das Seth-Material gestoßen sind, das uns hilft, die Dinge wieder etwas ins richtige Licht zu rücken und das aufzeigt, dass es durchaus möglich ist, ein Leben ohne eine völlige Abhängigkeit von der Medizin zu führen.

Daher ist es sinnvoll, in unserem Lebensumfeld und unserer Erfahrungswelt einen Mittelweg zu finden, indem wir das "Beste aus beiden Welten" zu unseren Gunsten einsetzen: eine Kombination aus Seth-Material und medizinischem System.

Maude Cardwell, eine "Seth-Botschafterin" der ersten Stunde, beschreibt in ihrem Text "Seth oder Arzt?" anhand ganz konkreter Beispiele, wie so ein Mittelweg aussehen kann.


Seth oder Arzt?

Von Maude Cardwell, Ph.D.

Vor kurzem erhielt ich einen Brief folgenden Inhalts: «Ich denke oft über Seths Erläuterungen bezüglich des medizinischen Systems und der Gesundheitsfürsorge nach, und ich stimme ihm in vielen Dingen zu. Und doch musste ich mitansehen, wie mir beinahe mein Ehemann entrissen wurde, wäre er nicht durch eine einfache Insulininjektion gerettet worden. Und später erlebte ich dann, wie er nach einer medizinischen Behandlung gegen Prostatakrebs wieder gesund wurde. Mein Dilemma besteht nun darin, dass ich einerseits an das glaube, was Seth in seinen Büchern sagt, aber andererseits durch die Lebensumstände trotzdem erlebe, wie das medizinische System funktioniert und wirkt.»

Bevor ich zu meiner Antwort auf diesen Brief komme, möchte ich voranschicken, dass ich in den letzten Monaten selbst Unterstützung bei der konventionellen Medizin gesucht habe und äußerst dankbar für die Hilfe bin, die ich erhalten habe.

Wenn Seth also damit recht hat, dass wir durch unsere Überzeugungen oder Glaubenssätze sowohl unsere Gesundheit als auch unsere Krankheiten erschaffen, warum brauchen wir dann so viel Hilfe von Ärzten und anderen Heilern?

Um das zu beantworten, müssen wir uns zuerst fragen: Warum werden wir überhaupt krank?

Antwort: Wir werden krank, um Lektionen zu lernen, die wir uns selbst aufgegeben haben.

Seth sagt: «Krankheiten und Leiden werden euch weder von Gott noch von Allem-Was-Ist oder einer anderen äußeren Macht auferlegt. Sie sind das Nebenprodukt eures Lernprozesses, von euch erschaffen und an sich völlig neutral. Andererseits wird aber auch eure Existenz selbst, die Realität und Natur eures Planeten, die gesamte Existenz, in der ihr diese Erfahrungen macht, von euch erschaffen, indem ihr die Fähigkeiten einsetzt, über die ich gesprochen habe. Krankheiten und Leiden sind das Ergebnis fehlgeleiteter kreativer Energie. Sie sind jedoch Teil der kreativen Kraft. Sie stammen also nicht aus einer anderen Quelle als, sagen wir, Gesundheit und Vitalität.» (Seth Spricht, Kap. 20, Sitzung 580)

Wenn wir daher die Lektionen nicht lernen, die wir uns selbst aufgegeben haben, wird uns nichts, was immer wir auch unternehmen, wieder gesund machen. Das ist auch ein Grund, warum wir manchmal allergische Reaktionen auf Medikamente zeigen, die uns verschrieben wurden.

Seth meint dazu: «Oft reagiert ihr auf ein Medikament einfach ‘allergisch’, weil der Körper erkennt, dass alle Ressourcen für die Lösung eines bestimmten Problems abgeschnitten würden oder dass eine andere, ernsthaftere Krankheit als Folge der physischen ‘Vertuschung’ der vorliegenden Krankheit auftreten würde, würde das Medikament akzeptiert.» (Die Natur der persönlichen Realität, Kap. 10, Sitzung 641)

Aber wie steht es mit den scheinbaren Tragödien, die sich etwa im Kindertrakt eines Krankenhauses oder gar auf der Entbindungsstation abspielen, wo ein Neugeborenes möglicherweise große Schmerzen erleidet und stirbt oder mit körperlichen Beeinträchtigungen zur Welt kommt?

Seths Erklärung hierzu lautet, dass solche Herausforderungen vom betreffenden Individuum schon vor der Geburt gewählt werden – und zwar wiederum, um auf ganz spezifische Weise der persönlichen Entwicklung zu helfen. «Menschen haben oft solche Situationen gerade als Ansporn gewählt, und viele bedeutende Menschen haben das getan.» Seth besteht aber darauf, dass eine solche Wahl grundsätzlich nicht nötig ist. «Sobald ein Mensch erkennt, dass sein Kraftpunkt in der Gegenwart liegt, braucht er keine Grenzen mehr, an denen er sich messen müsste oder die ihn darauf fokussieren, was er für die richtige Richtung hält.» (Die Natur der persönlichen Realität, Kap. 19, Sitzung 667)

Charles Darwin, Florence Nightingale, Mary Baker Eddy, Sigmund Freud, Marcel Proust und Elizabeth Barrett Browning – sie alle mögen absichtlich, wenn auch unbewusst, Krankheiten gewählt haben, die ihnen halfen, ihre Ziele zu erreichen. Das ist die These in Die kreative Krankheit, eine ausgezeichnete Arbeit von Dr. George Pickering.

Darwin wurde zum Beispiel nach zwei bestimmten Ereignissen krank. Beim ersten handelte es sich darum, dass er den Umfang der Forschungen erkannte, die er betreiben musste, um seine Evolutionstheorie zu stützen. Das zweite Ereignis war seine Heirat. Obgleich er vor dieser Zeit noch bei bester Gesundheit war, verbrachte er dann den Rest seines Lebens als Kranker. Warum? Pickering kommt zum Schluss, dass ihm seine Krankheit eine Entschuldigung dafür bot, sozialen Verpflichtungen aus dem Weg zu gehen, die ihn sonst von seiner Forschungsarbeit abgelenkt hätten. Und seine Frau blühte in ihrer Pflege des Kranken voll auf!

Ein Beispiel für eine vorgeburtlich ausgewählte Krankheit findet sich in Jane Roberts’ Das Seth-Material. Eine junge Frau namens Sally erkrankte an Multiple Sklerose und ihr Ehemann bat Seth um Rat. Seth erklärte, dass Sally in einem anderen Leben als Vater einer behinderten Tochter dieser gegenüber sehr verbittert war, da sie ihn, nachdem er einen großen Teil seines Lebens für sie gesorgt hatte, verließ, um zu heiraten. Darum hatte sich Sally dafür entschieden, in diesem Leben Mitgefühl gegenüber abhängigen Menschen zu entwickeln, indem sie selbst völlig abhängig wurde: «Dieses Mal wird für die Persönlichkeit gesorgt, statt dass sie für jemanden sorgen müsste – weil sie körperlich abhängig ist. Die Persönlichkeit in jener früheren Existenz wollte nicht und konnte nicht versuchen, die Umstände und die Position der behinderten Tochter zu begreifen . . . Dieses Mal spielt Sally diese Rolle und ist in sie völlig eingetaucht. Jon war der Mann, mit dem die Tochter in jenem vergangenen Leben wegging. Jetzt liebt Sally ihn und hat gelernt, die guten Seiten seiner Persönlichkeit zu sehen. Durch den Rollentausch erlangt Sally jetzt Einsichten über vergangenes Scheitern und hilft zudem ihrem gegenwärtigen Mann, nachdenklicher zu werden und nach Antworten zu suchen, nach denen er sonst nicht gefragt hätte. Sie erweitert seine Entwicklung und ebnet auch ernsthafte Schwachstellen, die sich in ihrer eigenen Persönlichkeit zeigten.» (Das Seth-Material, Kap. 11)

Gehen wir also davon aus, dass wir uns für eine Krankheit entscheiden, um unsere Ziele zu erreichen, dann lautet die nächste Frage: Wie können wir wieder gesund werden? Die Antwort auf diese Frage lässt sich am besten in verschiedenen Teilen geben.

1. Finde und beseitige die zugrundeliegende Ursache für die Krankheit.

Seth sagt: «Eure medizinische Technologie mag euch helfen, eine Krankheit nach der anderen zu ‘besiegen’. . . und ihr werdet euch bei euren Herztransplantationen und der Bekämpfung eines Virus nach dem anderen sehr effizient fühlen. Doch all dieses wird nichts dagegen tun, dass die Menschen weiterhin sterben – vielleicht an anderen Krankheiten, die noch nicht ‘besiegt’ wurden. Die Menschen sterben, sobald sie dazu bereit sind und indem sie inneren Vorgaben und einer inneren Dynamik folgen. Ein Mensch, der zu sterben bereit ist, wird das auch, und zwar ungeachtet irgendwelcher Medizin. Ein Mensch, der leben will, wird nach der leisesten Hoffnung greifen und darauf reagieren . . . Wahrhaftige Heilung oder ein wahrhaftiger Heilberuf würde sich eingehend mit den Kräften der Psyche befassen, um den Körper zu heilen, und mit der Wechselbeziehung zwischen Wünschen, Glaubenssätzen und den Aktivitäten des unbewussten Geistes und dessen Wirkungen auf das Zellverhalten.» (Die «unbekannte» Realität, Bd. 1, Sitzung 703)

Sollte sich Sallys Gesundheit also verbessern, musste sie ihre Glaubenssätze über ihre Krankheit verändern. Seth riet den Personen aus Sallys Bekanntenkreis, darauf zu achten, keine negativen Suggestionen auszusenden. Zudem sollte sich ihr Ehemann dreimal täglich vorstellen, wie die Energie und die Kraft des Universums Sallys Körper mit Gesundheit anfüllten.

Auf ähnliche Weise erklärte auch Pickering Darwins Krankheit zu einem großen Teil mit Frau Darwins offenbarer 'Freude' an der schlechten Gesundheit ihrer Familie. Er zitiert ihre Enkelin, Gwen Raverat, folgendermaßen: «Das Problem war, dass es im Haus meiner Großeltern eine unverkennbare und ‘traurige’ Freude war, krank zu sein. Das lag zum Teil daran, dass mein Großvater ständig krank war . . . und zum Teil auch, weil es so angenehm war, von meiner Großmutter bemitleidet und gepflegt zu werden . . . Krank zu sein wurde tatsächlich als normal betrachtet.» (Die kreative Krankheit, Kap. 5)

2. Doch in der Regel reicht es nicht einfach, negative Gedanken über unsere Gesundheit zu verändern, um eine Krankheit zu heilen. Weil die Glaubenssätze hinsichtlich unseres Vertrauens ins medizinische System so tief in unserer Gesellschaft stecken, müssen wir entweder auch diese verändern oder uns ihnen anpassen und sie nutzen, um unsere Gesundheit wieder herzustellen.

Seth sagt hierzu: «Wenn ihr, allgemein ausgedrückt, zum Beispiel ernsthaft über einen physischen Zustand besorgt seid, dann geht zum Arzt, weil euch eure eigenen Überzeugungen andernfalls zu sehr ängstigen könnten.» (Das Individuum und die Natur von Massenereignissen, Kap. 10, Sitzung 870)

In der Art von Edgac Cayce schlug Seth daher vor, dass Sally mehr Eisen zu sich nehmen sollte und dass ihre Gelenke mit Erdnussöl massiert werden sollten.

Der Glaube unserer Gesellschaft an die Notwendigkeit der Medizin wird auf dramatische Weise in einem Artikel aufgedeckt, der vor kurzem vom Institut für noetische Wissenschaften über die Placebo-Wirkung veröffentlicht wurde. Bei Placebos handelt es sich um «Zuckerpillen», die Patienten als vermeintliche Medizin verabreicht werden. Zu den erstaunlicheren Ergebnissen gehört der Umstand, dass im Rahmen einiger Studien Patienten sogar Erleichterung von ihren Symptomen erfuhren, auch wenn ihnen gesagt wurde, dass es sich bei ihrer Medizin lediglich um Zuckerpillen handelte.

Forschungen, die herauszufinden versuchen, warum ein Placebo wirksam sein kann, haben herausgefunden, dass die Gemütsverfassung des Patienten bei Verabreichung des Placebos für dessen Wirksamkeit ausschlaggebend ist. Zum Beispiel: «Verschiedenfarbige Kapseln oder große braun-grüne, kleine rot-orange und rosa Pillen haben alle eine größere Wirksamkeit als andere Farbkombinationen, insbesondere als die traditionelle kleine weiße Tablette.» Einige Arthritis-Patienten, die nach Einnahme von Placebo-Pillen keine Erleichterung verspürten, fühlten sich aber nach Injektionen von sterilem Wasser besser. Wiederum anderen Patienten, die auf die gewöhnlichen Placebos nicht angesprochen hatten, ging es plötzlich besser, nachdem sie eine «neue, verbesserte» Medizin eingenommen hatten – bei der es sich tatsächlich aber lediglich um ein anderes Placebo handelte.

Grundsätzlich wurde festgestellt, dass sich die kräftigsten Placebo-Wirkungen einstellen, wenn sowohl der Patient als auch sein Arzt an die Therapie glauben. Insbesondere: «Placebo-Wirkungen stellen sich ein oder werden verstärkt, wenn der Arzt von seiner Theorie oder Therapie überzeugt ist, vor allem, wenn es sich um seine eigene Erfindung handelt oder er sich erst vor kurzer Zeit von der Placebo-Idee hat überzeugen lassen; oder wenn die Therapien ausgefeilt, teuer, zeitaufwändig, in Mode, esoterisch oder gefährlich sind.»

Andere starke Faktoren, die die Placebo-Wirkung unterstützen, sind das Interesse an und die Besorgnis des Arztes um seinen Patienten, die Hilfe des Pflegepersonals oder der Glaube des Patienten an das Krankenhaus als an einen «Hort der Heilung».

Zu den nachteiligen Faktoren gehören traumatische Erfahrungen im Leben des Patienten, etwa eine Scheidung, der Verlust der Arbeitsstelle, der Tod eines Kindes oder einer anderen geliebten Person.

Mit anderen Worten: Wenn ein Patient gesund werden möchte und glaubt, das Placebo – oder jegliche Medikamente oder Behandlungen – wirke, dann wirkt es auch. Somit wäre auch Seths Darstellung erneut untermauert.

Unsere Abhängigkeit von Ärzten und anderem medizinischem Personal berücksichtigend, können wir also wenigstens versuchen, solche zu finden, die die Rolle von Glaubenssätzen oder Überzeugungen bei der Genesung anerkennen. Das Institute of Noetic Sciences hat einen Leitfaden für Ärzte veröffentlicht, die von den Entdeckungen der Placebo-Forschung profitieren möchten. Darin wird festgehalten, dass ein wirkungsvoller Arzt eine starke Arzt-Patienten-Beziehung fördert und seine Patienten ermutigt, für ihre Heilung Eigenverantwortung zu übernehmen, und ein solcher Arzt soll auch die Hoffnung aufrechterhalten. (Investigations, II, 1)

Norman Cousins illustriert in seinen beiden Büchern Anatomie einer Krankheit und Das heilende Herz die Bedeutung dieser Eigenschaften bei den Ärzten, die ihm halfen, zwei beinahe tödlich endende Krankheiten zu überleben. Hauptthema der beiden Bücher ist jedoch die Wichtigkeit des dritten Teils der Antwort auf die Frage, wie man wieder gesund werden kann:

3. Übernimm für deine Heilung Eigenverantwortung.

Seth sagt: «Ihr könnt als Individuum beginnen, eure Situation zu verändern. Ihr tut dies, indem ihr die Richtigkeit eures eigenen Menschseins akzeptiert. Und dies tut ihr, indem ihr Vorstellungen von Unwürdigkeit und Machtlosigkeit abwerft, egal, woher sie stammen. Dies tut ihr, indem ihr beginnt, eure Impulse zu beobachten und eurer eigenen Führung zu vertrauen . . . Beginnt mit harmlosen, aber lästigen physischen Zuständen, und versucht, diese auf eigene Faust ins Lot zu bringen. Versucht herauszufinden, was euch plagt. Habt ihr Kopfschmerzen oder eine simple Magenverstimmung, oder habt ihr ein chronisches lästiges, aber nicht ernsthaftes Leiden wie etwa Probleme mit den Nebenhöhlen oder habt ihr Heuschnupfen – dann erinnert euch in diesen Situationen, dass der Körper tatsächlich über die Fähigkeit verfügt, sich selbst zu heilen.» (Das Individuum und die Natur von Massenereignissen, Kap. 10, Sitzung 870)

Cousins berichtet, dass er nach Einsetzen seiner ersten Krankheit – Spondylitis ankylosans (eine Erkrankung der Wirbelsäulengelenke) – aufgrund deren drastischer Natur zur Selbstverantwortung getrieben wurde. Er schreibt: «Ich fragte Dr. Hitzig, wie hoch die Chancen für eine völlige Genesung seien. Er sagte mir ganz offen und ehrlich, dass er von einem Spezialisten wisse, dass bei 500 Fällen nur gerade eine einzige vollständige Heilung eintrete. Außerdem hatte ihm der Spezialist gesagt, er selbst habe noch nie eine solche Genesung beobachten können. All dies gab mir eine ganze Menge zu denken. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich die Sorge um meinen Zustand mehr oder weniger den Ärzten überlassen. Jetzt aber verspürte ich den Impuls, aktiv zu werden. Wenn ich derjenige aus diesen 500 Fällen sein wollte, der geheilt wird, dann durfte ich nicht einfach nur ein passiver Beobachter sein!»  (Anatomie einer Krankheit, Kap. 1)

Sowohl bei dieser Krankheit als auch nach seinem schweren Herzinfarkt 16 Jahre später war Cousins erste Handlung, seine Lebenssituation zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krankheit zu überprüfen.

Nach seinem Herzinfarkt erinnerte er sich folgendermaßen: «Irgendwann Ende Oktober oder Anfang November begann ich unter Kurzatmigkeit zu leiden, besonders in kaltem Wasser. Ich spürte auf meiner Kehle einen Druck und in meinem rechten Bein eine Schwere. In meinem Sputum waren schwache Blutspuren erkennbar. Ich berichtete meinem Arzt von diesen Symptomen. Eine Kardiographie zeigte kaum Abweichungen von zwei früheren, die ich einige Jahre zuvor hatte machen lassen. Die Symptome wurden schwächer, und alles schien wieder normal zu sein.

Kurz vor Weihnachten kehrte ich von einer hektischen Reise zur Ostküste nach Hause zurück, nur um herauszufinden, dass ich schon wenige Tage später in den Süd-Osten reisen musste. Ich fragte meine Sekretärin, ob es möglich wäre, den Termin zu verschieben oder abzusagen, was aber nicht möglich war.

Mein Körper hatte mitgehört – am folgenden Tag hatte ich meinen Infarkt . . . In der Literatur wie auch im Leben ist vom Patienten stets der Ausruf «Warum gerade ich?» zu hören. In meinem Fall war die Antwort auf diese Frage kein Geheimnis; ich hatte es «verdient». Zu viele Orte. Zu wenig Zeit, um dorthin zu gelangen. Zu wenige Möglichkeiten, mich zu erholen.» (Das heilende Herz, Kap. 1)

Erkennend, dass er seine Krankheit selbst ausgelöst hatte, nahm Cousins auch die Verantwortung für seine Heilung in die Hände. Er besprach mit seinem Arzt sowohl die Art als auch die üblichen Behandlungsmethoden. Er fragte den Arzt nach seiner Meinung. Er las Artikel und Bücher über das Thema. Aber er war an einem Punkt angelangt, wo er noch mehr tun musste; er musste den vierten Schritt der Selbst-Heilung in Angriff nehmen:

4. Höre auf dein inneres Selbst.

Seth sagt: «Abgesehen von den natürlichen allgemeinen Heilfähigkeiten, die in eurer Natur liegen, verfügt sie auch über einzigartige und spezielle persönliche Auslöser, die aus eurer Erfahrung hervorgehen. Ihr könnt sie herausfinden, identifizieren und nutzen. In diesem Zusammenhang sind bestimmte Ereignisse besonders wichtig. Einzigartige Umstände, die für andere völlig bedeutungslos sind, können genutzt werden, um eure Speicher der Energie und inneren Kraft zu öffnen. Dazu gehören sowohl Wach- wie auch Traumereignisse. Wenn ihr euch an bestimmte Traumerfahrungen erinnert, nach denen ihr erfrischt aufgewacht seid, dann denkt vor dem Schlafen ganz bewusst an diese Träume und sagt euch, dass sie wiederkommen. Wenn euch irgendeine Tätigkeit – mag sie euch noch so seltsam oder albern vorkommen – ein Gefühl der Zufriedenheit verleiht, dann führt sie weiter aus. Alle diese natürlichen therapeutischen Methoden können euch sogar über das Gefühl von Wohlsein und Stärke, über physische Gesundheit und Lebenskraft hinaustragen und in jene erhabenen Erfahrungen von Erleuchtung und Gnade versetzen.» (Die Natur der persönlichen Realität, Kap. 10, Sitzung 640)

Im Falle seiner degenerativen Wirbelsäulenerkrankung erhielt Cousins von seinem Arzt die Einwilligung, einem Behandlungsprogramm zu folgen, das damals außerordentlich ungewöhnlich war, von dem er aber glaubte, es sei für seine Heilung förderlich: die Absetzung seiner medikamentösen Behandlung und die Einnahme massiver Vitamin-C-Dosen und gleichermaßen massiver Dosen von . . . Gelächter!

Er schreibt: «Es war recht einfach zu hoffen, zu lieben und zu vertrauen, aber wie stand es ums Lachen? Nichts ist weniger lustig, als auf dem Rücken zu liegen, während einem sämtliche Knochen und Gelenke der Wirbelsäule wehtun. Ein systematisches Programm war also von Nöten . . . Allen Funt, der Produzent der Fernsehsendung ‘Candid Camera’ (Anm. d. Ü.: ‘Candid Camera’ ist eine Sendung wie ‘Verstehen Sie Spaß?’ und ähnliche Formate.), schickte mir zahlreiche Filmrollen seiner Sendungen und sogar einen Filmprojektor. Ich entdeckte, dass zehnminütiges echtes lautes Lachen eine schmerzhemmende Wirkung hatte und mir wenigstens zwei Stunden schmerzfreien Schlafes ermöglichten . . . Untersuchungen, die mehrere Stunden vor und nach den Lachphasen durchgeführt wurden, ergaben, dass sich auch mit wissenschaftlichen Instrumenten Verbesserungen nachweisen ließen. Die Entdeckung, dass es tatsächlich eine physiologische Grundlage für die altbekannte Theorie gab, Lachen sei die beste Medizin, erfreute mich in höchstem Maße.» (Anatomie einer Krankheit, Kap. 1).

Auch bei seinem Herzinfarkt stützte sich Cousins – wenigstens mit Unterstützung einiger seiner Ärzte – auf eine ähnlich alternative Therapie. Dieses Programm umfasste eine gesunde Ernährung, körperliche Übungen, entspannende Erholungsphasen und die Wertschätzung der Schönheit in der Natur. (Das heilende Herz, Kap. 3)

In beiden Fällen erholte sich Cousins vollumfänglich. In seinen beiden bewegenden Berichten unterstreicht Cousins die Wichtigkeit des fünften Schrittes, den wir unternehmen können, um wieder gesund zu werden:

5. Vertraue auf die Selbstheilungsfähigkeiten deines Körpers und verstärke dieses Vertrauen, indem du die Genesung freudig und positiv gestimmt erwartest.

Einer der Ärzte von Cousins, Omar Fareed, beschreibt, wie Cousin kurz nach seinem Herzinfarkt auf der Trage in die Notaufnahme des UCLA-Krankenhauses gebracht wird: «Stellen Sie sich folgende Szene vor: Mehrere Top-Herzspezialisten erwarten das Ambulanzfahrzeug mit einem Patienten, der gerade einen Herzinfarkt hatte. Der Telefonbericht ist beängstigend. Er besagt, dass der Patient Blut hustet – ein unheilvolles Zeichen für ein Pumpversagen des Herzens. Die Pendeltür zum Notfallraum öffnet sich weit und eine Rolltrage fährt hindurch. Der Patient sitzt auf, winkt, grinst und sagt: ‘Meine Herren, lassen Sie mich Ihnen sagen, dass Sie vor sich die beste Heilmaschine sehen, die jemals in dieses Krankenhaus gerollt wurde!» (Das heilende Herz, «Nachworte», 3)

Diese überschwängliche Ansicht über den menschlichen Körper wird auch von Seth bestätigt, der sagt: «Idealerweise verfügt der Körper über die Fähigkeit, sich selbst bei ausgezeichneter Gesundheit zu halten – aber darüber hinaus kann er auch ein höchstes Niveau physischer Leistungsfähigkeit beibehalten. Die Taten eurer größten Athleten geben euch einen Hinweis auf die wahren Fähigkeiten des Körpers . . . Der Körper ist, wiederum idealerweise, dafür ausgerüstet, sich selbst von jeglichen Krankheiten zu befreien und seine Stabilität bis ins – wie ihr es bezeichnen würdet – hohe Alter aufrechtzuerhalten, und dies bei einer sich nur allmählich zeigenden allgemeinen Veränderung. Bestenfalls würde diese Veränderung einen spirituellen Wandel hervorrufen. Wenn ihr zum Beispiel in Urlaub fahrt, schließt ihr euer Haus ab. Unter diesen idealen Bedingungen würde der Tod ein Abschließen eures [physischen] Hauses bedeuten; es würde nicht um euch herum verfallen . . . Manche Fähigkeiten des Körpers scheinen euch unmöglich zu sein, denn ihr verfügt über keine Beweise, die sie stützen würden. Viele Organe können sich vollständig ersetzen; erkrankte Bereiche können durch neues Gewebe ersetzt werden. Viele Menschen haben, ohne es zu wissen, Krebs entwickelt und sich wieder davon befreit. Durch Operationen entfernte Blinddärme wuchsen wieder nach. Diese Körperkräfte sind biologisch auf praktischer Ebene durchaus abrufbar, jedoch nur durch eine vollständige Veränderung von Fokus und Glaubenssätzen.» (Die «unbekannte» Realität, Bd. 2, Sitzung 708)

Schließlich noch den sechsten Schritt, um zur Gesundheit zurückzufinden:

6. Führe die Übungen durch, die Seth in Die Natur der persönlichen Realität beschreibt.

Versionen dieser Übungen finden sich auch in den Seth-Arbeitsbüchern von Nancy Ashley. Ich persönlich sehe keinerlei Konflikt darin, Seths Konzepten zu folgen und gleichzeitig Ärzte um Rat zu fragen. In unserer Gesellschaft, in der Krankheit eine so akzeptierte Methode ist, unseren Bedürfnissen gerecht zu werden, ist es durchaus möglich, dass wir von Zeit zu Zeit krank werden. In solchen Fällen tun wir gut daran, unserer inneren Stimme und Führung zu vertrauen und sowohl unsere inneren als auch äußeren Ressourcen zu nutzen, um wieder gesund zu werden!

© Seth-Verlag, 2018